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Deutschland

Hier ist der Glaube selbstverständlich

Weltjugendtag: Was in diesen Tagen von Köln ausgeht

Köln. Das Kreuz ist allgegenwärtig in diesen Tagen in Köln. Fast jeder trägt eins - am Silberkettchen, gedruckt auf T-Shirts oder auf Buttons. "Für mich ist das klar, daß ich an Gott glaube. Und ich stehe dazu", sagt Isabell (16). "Auch wenn das manchmal nicht so einfach ist", fügt ihre Freundin Thersia (16) dazu. Die Schülerinnen aus Bodman-Ludwigshafen (Bodensee) sind mit einer Gruppe aus ihrer katholischen Kirchengemeinde zum Weltjugendtag gekommen. Hier ist Glauben selbstverständlich. "Das ist ein sehr schönes Gefühl", sagt Judith (16). Junge Leute glauben wieder. Das ist das Bild, das von Köln um die Welt geht - und gehen soll.

Es ist ein buntes, fröhliches Bild. "Wir finden es großartig hier", sagt Francisca (21) aus Santiago (Chile). Seit zwei Stunden steht die hübsche Studentin im knappen T-Shirt mit ihren Freunden auf der Domplatte und wartet darauf, in die Kathe-drale zu kommen und als Ziel ihrer Dom-Wallfahrt den Schrein der Heiligen Drei Könige zu sehen. Es ist eng, es ist heiß, und zu essen gibt es auch nichts. "Das ist o. k.", meint Cecila (22). "Wir folgen dem Stern."

Sind das Zeichen einer neuen Frömmigkeit? Oder ist Glauben im Moment einfach nur im Trend, eine Frage des Zeitgeistes mit dem Kreuz als modischem Zierrat? Mitten im Kölner Stadtzentrum steht auf einem kleinen Platz eine Box vom Westdeutschen Rundfunk (WDR), in der Gläubige ihre Gedanken zu Gott und Glauben aufnehmen lassen können. "Die Resonanz ist gut", sagt Boris Heinrich vom WDR. Und fast ausschließlich positiv. "Die Idee war, ein Stimmungsbild zu bekommen, ob sich nach dem Tod von Papst Johannes Paul und der Wahl Benedikts etwas verändert hat", so der Journalist. "Man kann jetzt schon sagen: Es gibt einen starken Ruck zum Glauben."

Symbole spielen dabei eine wichtige Rolle. Im Mittelpunkt der Papst, der alte und der neue. Auf Postkarten, Kerzen oder einem Bravo-Poster im XXL-Format. "Wir brauchen diese Dinge, die Einheit stiften. Die Kirche lebt davon", meint Pfarrer Markus Leber (36) aus Castrop-Rauxel (Nordrhein-Westfalen), der sich einen "Wir sind Papst"-Button an den schwarzen Priesteranzug ge-heftet hat. "Die jungen Menschen, die sich für die katholische Kirche entscheiden, sind sehr bewußt dabei." So wie Connie Degrandis (35) aus Macon im US-Bundesstaat Georgia. "Ich will anderen ein Vorbild sein, so wie ich lebe", sagt die junge Lehrerin. Das bedeute auch, die Gebote der Kirche zu befolgen. "Ich versuche es zumindest", sagt sie. Kritik, etwa an der Sexualmoral des Vatikans, hat sie nicht. "Ich glaube, das ist eher für die jungen Leute in Europa ein Problem."

Kein Sex vor der Ehe, Kondom-Verbot in Afrika, ein Sonderablaß für Weltkirchentagsbesucher - da schütteln viele den Kopf. "Damit kann ich nichts anfangen", sagt Maren Kurtenbach (19) aus Preetz bei Kiel. Sie sagt auch: "Gott ist in meinem Leben eine feste Größe." Glauben ja, Kirche nein? "Die Deutschen glauben anders an Gott", meint Dorota Trochimiak (24) aus Posen (Polen). Seit fünf Jahren studiert sie in Kiel Psychologie und findet: "Wir sind strenger. Die jungen Deutschen nehmen sich von den Glaubensgesetzen, was sie wollen. Sie suchen nach einem Gott, an dem sie sich festhalten können, aber nicht nach den Regeln."

Kritik, gar Widerspruch gegenüber der Institution Kirche wird in Köln dennoch selten laut. Zu groß ist die Freude über das Gefühl, nicht allein zu sein, sondern Teil eines spirituellen Ganzen. "Man muß ja nicht alle Ansichten teilen", sagt Isabell, die Schülerin vom Bodensee, selbstbewußt.

 

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