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Deutschland

Schlechte Zeiten für Patienten, die rauchen

Erst in 50 von 2200 Krankenhäusern gilt Zigarettenverbot - aber das Gesundheitsministerium macht jetzt Druck

Berlin. Raus aus dem Krankenhausbett, rein in den Bademantel und ab in die Raucherecke: Erst mal eine anzünden. Nikotinabhängige müssen auch in der Klinik nicht auf den geliebten Glimmstengel verzichten. Während in Restaurants bis 2008 der blaue Dunst Schritt für Schritt eingeschränkt wird, existiert eine Regelung für Krankenhäuser nicht. Das Bundesgesundheitsministerium weiß von etwa 50 Häusern, die offensiv damit werben, rauchfrei zu sein - von insgesamt aber rund 2200. Dabei gebe es einen immensen Bedarf an rauchfreien Krankenhäusern, wie es aus Expertenkreisen heißt.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) spricht ihren Mitgliedern lediglich Empfehlungen aus. "Die DKG kann weder ein generelles Rauchverbot durchsetzen noch Sanktionierungsmaßnahmen treffen", sagt Pressereferent Daniel Wosnitzka. Jedem Krankenhaus sei es selbst überlassen, die Arbeitsstättenverordnung aus dem Oktober 2002 umzusetzen. Demnach soll der Nichtraucherschutz in Betrieben effizienter werden. Die Klinikleitungen müßten entscheiden, dem Rauch im Haus den Garaus zu machen. "Wir werben in Rundschreiben immer wieder, auf Raucherecken und -zimmer zu verzichten", sagt Wosnitzka. Wie viele Krankenhäuser dem Rat folgen, ist nicht bekannt. Die Zahl wird nicht erhoben.

Rudolf Henke, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer, plädiert für eine Lösung auf freiwilliger Basis und warnt: "Krankenhäuser sind primär keine pädagogischen Einrichtungen." Die stationäre Aufnahme dürfe nicht dazu führen, "daß Patienten gezwungen werden, mit dem Rauchen aufzuhören." Ein Verbot per Gesetz könnte die Politik durchsetzen. Quer durch die Parteien hoffen die Gesundheitspolitiker aber, daß es - ähnlich wie in der Gastronomie - zu einer freiwilligen Selbstverpflichtung kommt. Birgitt Bender (Grüne) lehnt ein Gesetz zunächst ab. "Vielmehr muß im Krankenhaus eine Strategie erarbeitet werden, wie mit Rauchern umgegangen wird - eingebettet in Angebote zur Entwöhnung."

Denn gerade beim Klinikpersonal gebe es einen hohen Bedarf an Aufklärung, meint die Projektkoordinatorin des "Netzwerkes Rauchfreie Krankenhäuser" - ein Verein unter dem Dach der Weltgesundheitsorganisation -, Christa Rustler: "Der Anteil der Raucher ist bei den Angestellten recht hoch." Konflikte mit dem Personal wären programmiert, sollte das Rauchen verboten werden. Die Deutsche Krebshilfe setzt auf den Wandel in der Gesellschaft, der weg vom Rauchen führe. "Aber wenn sich in zwei bis drei Jahren in den Krankenhäusern nichts getan hat", sagt Pressesprecherin Eva Kalbheim, "müßte über gesetzliche Regelungen nachgedacht werden."

Im Bundesgesundheitsministerium rauchen bereits die Köpfe. Noch diesen Monat läuft eine Zusammenarbeit mit dem Netzwerk an. Mögliches Ziel: Mit einer Kampagne die Krankenhäuser dazu bewegen, qualmfrei zu werden.

Rauchende Patienten gehen schlechten Zeiten entgegen. Bald tragen sie unter ihren Bademänteln vielleicht Nikotinpflaster.

 

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