Damenprogramm
Laura Bush und Doris Schröder-Köpf waren interessierte Besucher des Mainzer Gutenberg-Museums.
Mainz. "Bei dir finde ich Zuflucht, du schützt mich wie eine Burg! Mein Gott, dir vertraue ich!" Psalm 91 gilt als Laura Bushs Lieblingspsalm, den die Methodistin immer wieder gerne zitiert. Eine der berühmten Gutenberg-Bibeln war auf der entsprechenden Seite aufgeschlagen, als die Ehepaare Bush und Schröder gestern dem Gutenberg-Museum in Mainz einen Besuch abgestattet.
Das Museum soll sogar mit den Ausschlag für die Wahl von Mainz als Ort des Treffens von George W. Bush und Gerhard Schröder gegeben haben. Die aktive Christin und studierte Lehrerin und Bibliothekarin Laura Bush wollte auf jeden Fall in der Heimatstadt des Buchdruck-Erfinders Johannes Gutenberg die in Mainz erhaltenen beiden 42zeiligen Gutenberg-Bibeln sehen, die zwischen 1452 und 1455 dort entstanden sind. Dies und die in einer Museums-Werkstatt nachgestellten ersten Buchdruck-Verfahren ließen sich auch die Regierungschefs nicht entgehen - beim Besuch im Gutenberg-Museum gesellten sie sich wieder zu den Damen, die ihr eigenes Programm absolvierten und nach einem Orgelkonzert aus dem wenige Meter entfernten Dom herüberkamen.
Dort hatten sie Kardinal Karl Lehmann und Domdekan Heinz Heckwolf am Marktportal empfangen und ihnen als erstes die Inschriften auf der Williges-Tür, dem Haupteingang des Gotteshauses, erklärt. Willigis war der Erzbischof, der 975 den Grundstein zum Bau des Doms gelegt hatte. Sie betrachteten auch verschiedene Modelle, die die Entwicklung des Doms über die Jahrhunderte dokumentieren. Mit einem Orgelspiel endete der Besuch, aber nicht bevor Laura Bush und Doris Schröder-Köpf die Marienkapelle besichtigt hatten, letzte Ruhestätte des für seine Sozialreformen bekannten Bischofs Emmanuel von Ketteler.
Laura Bush absolvierte an der Seite von Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf ein dichtgedrängtes Programm. Sie war bereits am Dienstag nach Deutschland gekommen, hatte ein Militärhospital in Landstuhl und eine US-Schule in Wiesbaden besucht. Ihren Mann traf sie erst gestern wieder beim offiziellen Empfang in Mainz. Danach ging es direkt weiter ins Römisch-Germanische Zentralmuseum. In einem Schnelldurchlauf erklärte der Generaldirektor des Museums, Falko Daim, den beiden First Ladys die Arbeit der Restauratoren. Das Haus beschäftigt sich auch mit "Ötzi" und seiner Ausrüstung und ist dafür bekannt, hochwertige Kopien von Kunstwerken zu produzieren. Dazu gehört der "Goldhut", der im Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte ausgestellt ist. Das Kunststück ging auf "Forschungsreise", und in Mainz wurde eine Kopie angefertigt, damit der Platz im Berliner Museum nicht leer bleibt. Interessiert fragte die im dunklen Kostüm erschienene Bush auch nach der Aufarbeitung eines bronzefarbenen Halsrings. Die in ein schwarzweißes Kostüm gekleidete Frau des Kanzlers war ebenfalls fasziniert.
In den Räumen des Römisch-Germanischen Zentralmuseums fand auch das statt, was Laura Bush und Doris Schröder-Köpf wohl besonders am Herzen lag: ein Austausch über Leseförderung. Beide Frauen lesen gerne - Krimis, so hört man. Schröder-Köpf ist Schirmherrin der Stiftung "Deutschland liest vor"; Laura Bush setzt sich in den USA gegen Analphabetismus ein. An dem Gespräch nahmen unter anderen ZDF-Moderatorin Petra Gerster - als Mutter zweier Kinder engagierte Vorleserin und Autorin von Erziehungsbüchern - und Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, teil. Die Kinderbuchautoren Paul Maar ("Das Sams") und Jutta Richter ("Der Hund mit dem gelben Herzen") sprachen über ihre Werke.




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