Montag, 28. Mai 2012, 04:31

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Deutschland

Bush-Besuch findet in den US-Medien kaum statt

Keine Bilder in den Zeitungen, kurze Clips bei CNN

Washington. Wer in den Vereinigten Staaten große Hintergrundberichte und Leitartikel zum Europa-Besuch von US-Präsident George W. Bush in Tageszeitungen sucht, ist gut beraten, sich darüber im Internet in europäischen Publikationen zu informieren. Denn obwohl die fünftägige Visite vorab medial so prominent verkauft wurde wie nur wenige von Bush-Auslandsreisen zuvor, sehen die Amerikaner, oder zumindest deren Medien, jetzt wenig Berichtenswertes über die Reise ihres Präsidenten.

So zeigte keine der großen Zeitungen wie "New York Times", "Washington Post" oder "USA Today" irgendwelche Bilder von Bushs Europatrip auf ihrer Titelseite. Beherrschende Themen: die sintflutartigen Regenfälle in Kalifornien und ein angeblicher Attentatsversuch auf Bush im Jahre 2003.

Hatten die meisten Zeitungen in ihrer Vorberichterstattung immer wieder die angestrebte Beilegung der Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und Europa, sowie eine Stärkung der Allianz als wichtigsten Auftrag Bushs ausgemacht, so finden amerikanische Leser dieser Tage wenig darüber in ihren Blättern, ob ihr Präsident mit seiner "Charme-Offensive" jenseits des Atlantiks Erfolg hat.

Nicht die vorsichtige Wiederannäherung bestimmte die Bush-Berichterstattung, sondern einzig und alleine die Kontroverse darüber, daß die EU entgegen dem Willen der USA das Waffenembargo gegen China aufheben wollen. Dazu paßt eine Abstimmung im US-Repräsentantenhaus, das mit 411 zu 13 Stimmen eine Resolution verabschiedete, die erklärt, daß eine Aufhebung des Embargos "Taiwan gefährden und die Beziehungen zwischen Europa und den USA verletzen" würde.

Nur wer CNN oder MSNBC schaut erfährt wenigstens in Kürze, daß es in Deutschland und Belgien zum Teil massive Demonstrationen gegen den Gast gibt. Vom Besuch Bushs in Mainz wurden nur kurze 15- bis 30-Sekunden-Clips eingeblendet. Lediglich die Rede des US-Präsidenten vor Soldaten der US-Luftwaffenbasis in Wiesbaden übertrug CNN in voller Länge.

Aus der kurzen Berichterstattung über den Bush-Besuch in Europa zu schließen, daß die Amerikaner kein Interesse daran haben, wie das Verhältnis zum alten Kontinent sich entwickelt, dürfte jedoch falsch sein. Eine Umfrage bei AOL kam gestern zu dem Schluß, daß 94 Prozent der US-Bürger die Beziehung der USA zu Europa für "wichtig" beziehungsweise "sehr wichtig" halten. Doch nur zwei Prozent bezeichnen das Verhältnis als "ausgezeichnet". 39 Prozent bezeichnen es als "schlecht". Bei der Frage, ob Bushs Reise das Verhältnis zu Europa wieder verbessern wird, herrscht leichter Optimismus. 55 Prozent der Befragten antworteten mit "Ja".

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus