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Deutschland

Ausnahmezustand in Mainz - Altes Europa bei Gutenberg

Sicherheit zuerst: Rhein und Main für die Schiffahrt gesperrt, die Rolläden der Mainzer Geschäfte heruntergelassen - das öffentliche Leben im ganzen Rhein-Main-Gebiet war wegen des Besuchs des US-Präsidenten lahmgelegt.

Mainz. "Mr. President, wir haben noch Plätze frei", steht auf einer Schiefertafel vor einer Mainzer Pizzeria. Das Restaurant ist leer. Vor der Tür lehnen Polizisten gelangweilt an Absperrgittern. Wenige hundert Meter entfernt lassen sich US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Kurfürstlichen Schloß Zander, Eifeler Lamm und Hunsrücker Bratäpfel schmecken.

10 000 Polizisten aus ganz Deutschland riegeln das Schloß hermetisch ab. In einem Cafee haben sich ein paar Passanten hinter einem kleinen Fernseher versammelt und verfolgen die Übertragung der Pressekonferenz von Bush und Schröder. Hubschrauber rattern durch die Luft. Der Rhein ist für die Schiffahrt auf einer Länge von 24 Kilometern, der Main auf 15 Kilometern gesperrt. Nebenstraßen sind mit Müllcontainern verbarrikadiert. Kein Passant ist auf der Straße, viele haben ihre Rolläden heruntergelassen. "Ich finde das beängstigend, mir ist mulmig. Das ist wie eine Geisterstadt", sagt eine 36jährige Mainzerin.

Nicht nur in Mainz steht alles still, das öffentliche Leben in weiten Teilen des Rhein-Main-Gebiets ist an diesem Tag lahmgelegt. Für Zehntausende hat der Ärger schon am frühen Morgen begonnen. Auf dem Frankfurter Flughafen haben sich vor den Schaltern riesige Schlangen gebildet. Bei der Landung und Start der Präsidentenmaschine wurde der Frankfurter Flughafen kurzfristig gesperrt. 104 Flüge fielen nach Angaben des Flughafensprechers aus - allerdings auch wegen der starken Schneefälle. Die meisten Fluggäste sind verärgert. "Helgoland wäre ein guter Ort für so einen Besuch", schimpft der Freiburger Anwalt Heinz Stenberg.

Ein Geschäftsmann aus Bad Homburg klagt, vom Ausfall seines Fluges nach Basel habe er erst am Flughafen erfahren, am Schalter habe es keine Begründung gegeben. Allein bei der Lufthansa wurden 71 Flüge gestrichen, 260 weitere haben Verspätung. Der Konzern droht mit Schadenersatzforderungen.

Andere Firmen und Geschäfte haben ganz geschlossen, im Opel-Stammwerk Rüsselsheim steht die Produktion still. Bei Opel wird der Ausfall am Sonnabend nachgearbeitet. Da sich die Unternehmen auf die Einschränkungen vorbereitet hatten, blieben die befürchteten massiven Einbußen der Großunternehmen aber aus.

Passagiere in den S-Bahnen nach Mainz hoffen währenddessen morgens, daß sie noch rechtzeitig in die Stadt kommen, ehe die Züge wegen der Bush-Ankunft um 9.50 Uhr gestoppt werden. Ungewohnte Ruhe herrscht auf den Autobahnen. Noch vor der Ankunft der Präsidentenmaschine auf dem Frankfurter Flughafen waren eine Reihe von Autobahnen in Hessen und Rheinland-Pfalz zunächst total gesperrt, darunter die A 3, die A 67 und die A 60. "Das befürchtete Verkehrschaos blieb bis auf wenige Bundesstraßen-Verbindungen aus", sagt dennoch der Automobilclub von Deutschland (AvD).

Zu Irritationen kam es laut Polizei am frühen Morgen in Hessen, weil dort einige Autobahnabschnitte früher als angekündigt gesperrt worden waren. Dadurch blieben auch jene Autofahrer vorübergehend im Verkehr stecken, die vor der angekündigten Sperrzeit zur Arbeit hatten fahren wollen.dpa/afp

 

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