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Deutschland

Billig-Lohnland Deutschland

Tarife: Bundesregierung veröffentlicht Liste mit Stundenlöhnen unter sechs Euro in Ost und West.

Hamburg. Die Deutschen arbeiten zu wenig und viel zu teuer lautet eine weit verbreitete Meinung. Und deshalb drohten weitere Tausende von Arbeitsplätzen nach der EU-Erweiterung gen Osten zu verschwinden. Die Statistik scheint das zu belegen. Während die durchschnittliche Arbeitszeit der Deutschen seit 1970 um 27 Prozent von 1879 Stunden auf 1362 Stunden im vergangenen Jahr gesunken ist, verfünfachten sich im gleichen Zeitraum die Bruttolöhne. Statt vier Euro verdient der Durchschnittsarbeitnehmer heute 20 Euro. Soweit die Zahlen, die das Statistische Bundesamt gestern veröffentlichte.

Neben den nackten Zahlen gibt es aber auch noch eine andere Wahrheit. Zum einen hat sich der Trend seit der Wiedervereinigung sowohl was die Lohnentwicklung als auch die Verkürzung der Arbeitszeit betrifft, deutlich verlangsamt. Dass es ihn überhaupt noch gibt, liegt an der starken Ausweitung der Teilzeitarbeit und der Angleichung der Ost- an die West-Tarife.

Vor allem aber hat sich unbeschadet aller Debatten über die Notwendigkeit der Schaffung eines Niedriglohnsektors - wahlweise für den Aufschwung-Ost oder die Reformierung des gesamtdeutschen Arbeitsmarktes - ein solcher Bereich für tariflich geregelten Geringverdienst längst entwickelt. In etlichen Berufen verdienen die Beschäftigten weit unter dem Durchschnitt. Oft in einem Bereich, in dem sie sich fragen müssen, ob die Arbeit überhaupt noch lohnt.

Nach einer kleinen Anfrage von Politikern der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zum Wandel der Arbeitswelt hat das Bundeswirtschaftsministerium in seiner Antwort eine Liste mit Stundenlöhnen unter sechs Euro in 670 Berufen erstellt. Dazu wurden sämtliche rund 2800 Verbands-Entgelt-Tarifverträge aus allen Wirtschaftszweigen und Bundesländern ausgewertet.

Bei der weitaus überwiegenden Zahl der gering entlohnten Tätigkeiten geht es um einfache Arbeiten oft für Hilfskräfte oder Ungelernte Arbeitnehmer, häufig für Jüngere unter 18 Jahren. In einer ganzen Reihe von Fällen sind aber auch Ausbildungsberufe und Vollzeitstellen für Erwachsene aufgeführt, wie eine Auswahl in der nebenstehenden Tabelle zeigt.

Eine Bewertung dieser Aufstellung wollte die Bundesregierung aber nicht vornehmen. Ebenfalls sei nicht bekannt, wie viele Arbeitnehmer in diesen Bereichen beschäftigt seien, sagte ein Sprecher des Arbeitsministeriums.

Auf jeden Fall liegen die Löhne in den aufgelisteten Jobs oft weit unter Lehrlingsniveau. In der Baubranche beläuft sich die Vergütung für Azubis auf bis zu 1500 Euro monatlich. Die Ausbildungsvergütung lag im Jahr 2003 in Westdeutschland im Schnitt bei 612 Euro im Monat, im Osten waren es 517 Euro.eni/HA

 

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