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Deutschland

Weniger Steuern für Kirchen- Mitglieder?

CDU will mit Vorteilen für Katholiken und Protestanten den dramatischen Mitgliederschwund in den Kirchen stoppen.

Hamburg. Mit Steuervorteilen für Katholiken und Protestanten will die CDU den dramatischen Mitgliederschwund der beiden großen christlichen Kirchen stoppen. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christoph Böhr nannte an Ostern die wachsende Zahl von Kirchenaustritten aus Steuergründen eine unheilvolle Entwicklung, die dringend gestoppt werden müsse: "Kirchenaustritt darf kein Steuersparmodell sein." Daher sollten entsprechende steuerliche Anreize für den Verbleib in der Kirche geschaffen werden.

Böhrs Vorschlag sieht vor, dass Katholiken und Protestanten künftig 20 Prozent der Kirchensteuer direkt von ihrer Einkommensteuerschuld abziehen können. Dadurch könnten leicht rund 100 Euro im Jahr gespart werden, sagte der rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende der "Bild am Sonntag". Er forderte die Bundesregierung auf, dieses Modell zu prüfen. Profitieren würde davon nach Überzeugung Böhrs auch der Staat: "Die Kirchen betreiben schließlich zahlreiche Kindergärten, Krankenhäuser, Schulen oder Sozialstationen." Fehle ihnen das Geld, seien sie gezwungen, solche Einrichtungen aufzugeben.

Zurzeit gehören nur noch 63,8 Prozent der rund 82 Millionen Deutschen der katholischen oder evangelischen Kirche an. Seit langem bewegt sich die jährliche Zahl der Austritte für beide Kirchen jeweils im sechsstelligen Bereich. Im Jahr 2002 verloren die Katholiken in Deutschland 119 405 Mitglieder durch Austritt, für die evangelische Kirche liegen bislang nur offizielle Zahlen für das Jahr 2001 vor. Damals waren es 171 789 Austritte.

Betrachtet man die Entwicklung seit 1970, so lässt sich feststellen, dass die evangelische Kirche durchgehend wesentlich stärker von den Austritten betroffen war als die katholische. 1970 etwa traten fast dreimal so viele Menschen aus der evangelischen Kirche aus wie aus der katholischen, 2001 waren es noch rund 50 Prozent mehr.

Einen sprunghaften Anstieg gab es nach der Wiedervereinigung. 1992 erreichte die Austrittswelle ihren Höhepunkt mit mehr als 360 000 Austritten bei den Protestanten und mehr als 190 000 bei den Katholiken. In den vergangenen 30 Jahren traten über 5,2 Millionen Menschen aus der evangelischen Kirche aus. Allein in den zehn Jahren 1992 bis 2001 waren es fast 2,4 Millionen; bei den Katholiken war es im gleichen Zeitraum knapp eine Million weniger.

Die Kirchensteuer wird als Zuschlag zur Einkommen- oder Lohnsteuer erhoben. Acht Prozent beträgt der Steuersatz in Bayern und Baden-Württemberg, in allen anderen Bundesländern sind es neun Prozent. Geringverdiener und Rentner werden oft überhaupt nicht veranlagt, nur einige Länder verlangen einen Mindestbetrag von 1,80 bis 3,60 Euro pro Jahr. Wer 2500 Euro brutto verdient, zahlt etwas mehr als 16 Euro Kirchensteuer monatlich.HA/ap

 

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