Von "Papa Heuss" bis "Bruder Johannes" - die deutschen Präsidenten
Acht Präsidenten hatte die Bundesrepublik in den 55 Jahren seit ihrer Gründung. Drei von ihnen war es vergönnt, für eine zweite Periode bestätigt zu werden. So verschieden die Herkunft dieser acht Männer, so unterschiedlich führten und prägten sie dieses höchste Amt mit der Kraft des Wortes und ihrer Persönlichkeit. Ein jeder auf seine Art hinterließ dabei mehr oder weniger tiefe Spuren in der Erinnerung dieser Republik.
1949-1959: Theodor Heuss (FDP). Seine Wahl war das Ergebnis eines Handels zwischen Union und FDP (dafür stimmten die Liberalen für CDU-Kanzler Adenauer). Heuss, wegen seiner väterlichen Art auch "Papa" genannt, gelang es vor allem, Vorurteile in der Weltöffentlichkeit gegen die Deutschen abzubauen. Er starb 1963 im Alter von 79 Jahren.
1959-1969: Heinrich Lübke (CDU). Der damalige Landwirtschaftsminister stellte sich beim ersten Mal nur widerstrebend zur Wahl, nachdem Adenauer seine Kandidatur zurückgezogen hatte. Lübke besuchte 35 Staaten, vor allem in der "Dritten Welt". Seine ungelenke Redeweise wurde Gegenstand vieler Witze. Er starb 1972 im Alter von 77 Jahren.
1969-1974: Gustav Heinemann (SPD). Der damalige Justizminister wurde erst im dritten Wahlgang mit relativer Mehrheit gewählt. Dass die FDP für ihn stimmte, ebnete den Weg für die im selben gebildete sozial-liberale Koalition. Heinemann wirkte streng und "sauertöpfisch", galt aber als Vorbild für moralische Integrität. Er starb 1976 im Alter von 76 Jahren.
1974-1979: Walter Scheel (FDP). Der zweite Liberale im höchsten Staatsamt wurde gewählt, nachdem Heinemann auf eine zweite Amtszeit verzichtet hatte. Gegenkandidat der Union war Richard von Weizsäcker. Scheel (heute 84) war eine Frohnatur und sang "Hoch auf dem gelben Wagen". Wie zuvor als Außenminister setzte er sich für die Ostpolitik ein.
1979-1984: Karl Carstens (CDU). Er gewann gegen Annemarie Renger (SPD) im ersten Anlauf. Als "Spaziergänger der Nation" wanderte er mehr als 1500 Kilometer durch die Republik und suchte stets engen Kontakt zur Bevölkerung. Zugleich war Carstens eine Verfechter konservativer Werte wie Fleiß und Pflichtbewusstsein. Er starb 1992 mit 77 Jahren.
1984-1994: Richard von Weizsäcker (CDU). Er wurde zweimal mit mehr als 80 Prozent gewählt; die SPD verzichtete auf eigene Kandidaten. Weizsäcker wurde "das Gewissen der Nation", vor allem durch seine Rede zum 8. Mai 1985, in der er sich bedingungslos zur historischen Schuld der Deutschen bekannte. Der 83-Jährige genießt noch immer höchstes Ansehen.
1994-1999: Roman Herzog (CDU). Der frühere Verfassungsgerichts-Präsident gewann erst im dritten Wahlgang, u. a. gegen Johannes Rau (SPD) und Hildegard Hamm-Brücher (FDP). Herzog galt als lebens- und bürgernah. Innenpolitisch bedeutend war vor allem seine "Ruckrede" 1997, in der er den Stillstand in Politik und Gesellschaft anprangerte. Im April wird er 70.
1999-2004: Johannes Rau (SPD). 20 Jahre regierte er Nordrhein-Westfalen, ehe er mit den Stimmen der Grünen Staatsoberhaupt wurde. Sein Spitzename ist "Bruder Johannes" (wegen seiner Bibelfestigkeit), sein Motto "Versöhnen statt spalten" und sein vornehmstes Ziel die Integration von Minderheiten. Rau (73) verzichtete auf eine erneute Kandidatur.



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