Gewalt und Desinteresse an Schulen. Was zu tun ist
Ansichtssache
Die können einfach nichts" - war kürzlich im "Stern" zu lesen. Ein Studienrat berichtete unter aus Sicherheitsgründen geändertem Namen über die unhaltbaren Zustände an seiner Berufsschule. Nicht nur dort findet ein Schulalltag voller Frust und sogar Gefahr für alle Beteiligten statt. Einfache Verhaltensweisen wie Pünktlichkeit, Höflichkeit, Sauberkeit oder womöglich Fleiß zeigen die meisten Schüler nicht.
Wie wir erfahren, haben im letzten Jahr drei Absolventen dieser Anstalt einen Hauptschulabschluss erhalten. Die meisten verlassen die Schule so, wie sie gekommen sind - mit nichts. Sie können nicht rechnen, nicht lesen, nicht schreiben. Die Berufsschule kann nicht auffangen, was schon viel früher hätte abgewendet werden müssen. Die Forderung, man hätte schon in der Grundschule auf die Verhaltensauffälligen achten müssen, denn da wäre noch was zu retten gewesen, liegt nahe. Welche Möglichkeiten muss ein Schulgesetz schaffen?
Auch die Gewalt an den Schulen nimmt zu. Immer häufiger kommt es zu Schlägereien. Die Brutalität, mit der schon jüngere Schüler vorgehen, ist erschreckend. Auslöser für diese Übergriffe sind oft provozierte "Beleidigungen".
Nicht nur die Achtung vor den Mitschülern fehlt, sondern auch der Respekt vor den Lehrern. Gerade erfuhr ich von einem Kollegen, dass in der Nacht ein Molotow-Cocktail gegen sein Haus geschleudert worden war. Der Brand konnte zum Glück rechtzeitig gelöscht werden. An seiner Schule wurde eine junge Kollegin von türkischstämmigen Schülern einer Abschlussklasse bedroht, "man würde ihr nach dem Abschluss gern mit der Pumpgun ins Gesicht schießen".
Vor einiger Zeit wurde in einer Schule in Wilhelmsburg während des Unterrichts einer jungen Lehrerin von einem Schülervater vor versammelter Klasse mit der Faust die Nase zerschlagen. Schüler bringen Totschläger, Springmesser und sogar scharfe Schusswaffen mit in die Schule, von Drogen ganz zu schweigen.
Statt das Thema weiterhin zu verharmlosen, müssen wir die Tatsachen beim Namen nennen, denn nur dann können wir sie anpacken. Die seit den Siebzigerjahren praktizierte Beliebigkeit im Schulsystem muss gestoppt werden. Schüler kommen aus Elternhäusern. Dort werden sie erzogen und erhalten die nötige Fürsorge. Wenn Eltern diesen Pflichten nicht nachkommen, müssen sie daran erinnert werden. Kindergeldzahlungen und soziale Unterstützung könnten davon abhängig gemacht werden, ob ein Kind zum Spracheingangstest vorgeführt wird, regelmäßig die Schule besucht, gewaschen, ordentlich gekleidet und ausreichend ernährt im Unterricht erscheint. Sollte es sich gewalttätige Ausschreitungen oder Sachbeschädigungen leisten, müssen die Eltern zur Verantwortung gezogen werden, im Falle von Mittellosigkeit durch Ableistung von Arbeit.
Erziehung kann nur in Kooperation von Schule und Elternhaus erfolgreich sein, nie aber gegeneinander. Seitens der Schule muss es von Beginn an regelmäßige Überprüfungen des Lernstatus der Schüler geben. Nur so lassen sich Lücken entdecken und schließen, um die Chancen der Kinder auf Bildung zu gewährleisten. Nötigenfalls müssen Schüler in ihrer Freizeit nacharbeiten und lernen, was sie nicht können.
Der Schwerpunkt der Lehrerausbildung sollte auf der Auswahl geeigneter Personen liegen, die nicht nur die nötige Vorbildfunktion für die Schüler erfüllen können, sondern auch von ihrer persönlichen Struktur her geeignet sind, liebevoll und konsequent Kinder und Jugendliche zu leiten. Diese Lehrkräfte müssen von Seiten des Schulgesetzes ausreichend Rückhalt bekommen. Die Schulbehörde, die Schüler und auch die Bevölkerung kann solche Lehrer wertschätzen. So würde sich das Bild des Lehrers in der Öffentlichkeit zum Guten ändern. Heute treffen Jugendliche nicht selten auf desinteressierte Stoffvermittler, die meinen, dass die Schüler zu funktionieren haben. Die Chance, deren Kreativität einzubringen und zu nutzen, wird vertan.
Lehrern muss aber auch die Möglichkeit gegeben werden, verhaltensauffällige und gestörte Schüler außerhalb des 45 Minutentaktes zu betreuen. Nur wenn man den Rhythmus ändert und die vorhandenen praktischen Fertigkeiten dieser Jugendlichen zum Lernen nutzt, wird sich die geballte Energie dieser Schüler nicht negativ im Unterricht und zu Lasten von Lehrern und Mitschülern entladen. Denn man muss leider erkennen, dass manche jungen Menschen gar nicht wissen, was sie in der Schule sollen. Für Unbelehrbare sollte es eine außerschulische Dauerbetreuung geben, bis sie am Unterricht teilnehmen können, ohne das Recht aller Schüler auf Lernen zu gefährden.
Es wird Zeit . . .



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