Praxisgebühr - Ärzte entlassen erste Helferinnen
Umsatzeinbruch bei Hamburgs Medizinern. Bis zu 35 Prozent weniger Patienten wegen Gesundheitsreform. "Jede dritte Praxis steht vor der Insolvenz."
Hamburg. Im Zuge der Gesundheitsreform haben die ersten Hamburger Arztpraxen Mitarbeiter entlassen. Grund ist ein Einbruch im Patientenaufkommen. Nach Angaben der Hamburger Facharztverbände sind die Arztbesuche in den ersten sechs Wochen des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 35 Prozent zurückgegangen. Das ergab eine Umfrage des Hamburger Abendblatts. "Wir stehen vor einer Welle von Entlassungen von Arzthelferinnen", sagt Dr. Michael Späth (54), Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg.
Grund für die sinkende Zahl der Arztbesuche ist nach Angaben der Hamburger Facharztverbände die Gesundheitsreform. "Die Praxisgebühr von zehn Euro und Medikamenten-Zuzahlungen haben die Patienten verunsichert - sie halten sich mit Arztbesuchen eher zurück", sagt Dr. Michael Reusch (49), Ärztekammer-Chef und Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen. Allein sein Fachverband verzeichnet ein Patienten-Minus von bis zu 35 Prozent.
Kein Einzelfall: Der Hamburger Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte klagt über einen Patienten-Rückgang von rund 25 Prozent, der Berufsverband der Frauenärzte sowie der Berufsverband der Augenärzte von je 20 Prozent und der Berufsverband der Ärzte für Orthopädie von zehn bis 20 Prozent.
"Die Patienten warten ab. Bevor sie zum Arzt gehen, behandeln sie sich selbst", sagt Dr. Bruno Schmolke (64), Vorsitzender der Hamburger HNO-Ärzte. Er geht davon aus, dass sich viele seiner Kollegen angesichts der rückläufigen Patientenzahlen in großer "finanzieller Not" befinden. "Jede dritte Praxis steht vor der Insolvenz", bestätigt Dr. Roland Stahl (35), Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. "Wenn in dieser Situation die Patienten wegbleiben, haben die Ärzte keine andere Möglichkeit, als Mitarbeiter zu entlassen."
So wie Dr. Niels Larsen (56). Wegen eines Umsatzeinbruchs von bis zu 30 Prozent kann der Eidelstedter HNO-Arzt seine Auszubildende Sarah Schupke (19) nicht übernehmen. "Ich kann mir das in der jetzigen Situation nicht erlauben", sagt Larsen. "So schlimm wie jetzt war es noch nie!"
Sarah Schupke ist kein Einzelfall. "Die Mehrzahl aus meiner Berufsschulklasse wird nicht übernommen, ist nach der Ausbildung arbeitslos", sagt sie. Betroffen von Kündigungen sind jedoch nicht nur Auszubildende, sondern auch ausgebildete Arzthelferinnen. Hautarzt Joachim Weiß (54) aus Billstedt hat bereits eine Mitarbeiterin entlassen: "Ich hatte keine andere Möglichkeit."



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