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Deutschland

Geständnis

Der TV-Moderator gibt nach Strafbefehl wegen Drogenkonsums "Fehler" zu. Aber Fragen kann er nicht ertragen.

Frankfurt/Main. Der forsche Fernsehmoderator im Büßergewand - so ungewohnt präsentiert sich Michel Friedman bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach Erhalt eines Strafbefehls wegen Kokainbesitzes in Frankfurt/Main. Im Gedränge einer Anwaltskanzlei im 20. Stock eines Hochhauses gibt er eine Erklärung ab, die von vielen Zuhörern als pathetisch empfunden wird: Bekenntnis, Buße, Entschuldigung, Dank an Freunde und die Hoffnung auf Vergebung. Fragen lässt der für harte Nachfragen bekannte Moderator nicht zu. Nach wenigen Minuten ist der Auftritt vorbei. Während des Ermittlungsverfahrens war Friedman komplett abgetaucht. Friedman wirkt noch immer angeschlagen von seinem Sturz aus den Höhen der Popularität, als er seinen Rücktritt vom Amt des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland und allen öffentlichen gewählten Ämtern ankündigt. Über sein weiteres Engagement im Fernsehen schweigt sich der 47-Jährige aus. Eine Entschuldigung an den Hessischen Rundfunk und die ARD, mehr nicht. Seine Bitte am Ende, ihm eine zweite Chance einzuräumen, wird von vielen als Zeichen gewertet, dass er mit seiner Fernseh-Karriere noch nicht abgeschlossen hat. Friedman lässt keinen Zweifel daran, dass er eingesehen habe, "einen Fehler" begangen zu haben. Seinen Kokainkonsum nennt er allerdings nicht beim Namen, sondern belässt es bei einer Andeutung: "Drogen in einer Lebenskrise - auch in meiner Lebenskrise - sind keine Hilfe", sagt er und wird danach pädagogisch: "Sie täuschen und sind gefährlich, das sage ich vor allem den jungen Menschen." Und einen unerwarteten Einblick in sein Privatleben gibt Friedman noch: Mit seiner öffentlichen Entschuldigung bei seiner Lebensgefährtin Bärbel Schäfer, "die Frau, die ich von tiefem Herzen liebe, und mit der ich meine Zukunft gestalten will". Er appelliert an alle, seine Privatsphäre wenigstens eine Zeit lang zu achten. Und er bittet wieder um Verständnis. "Ich bitte Sie genauso von vollem Herzen, nicht zu vergessen, dass das nicht mein ganzes Leben war, dass das nicht der ganze Michel Friedman ist." In Berlin verteidigte wenig später die Staatsanwaltschaft erneut ihr Vorgehen in dem Fall, der fast vier Wochen ganz Deutschland beschäftigt hatte. Justizsprecher Björn Retzlaff, aus dessen Haus Informationen über das Verfahren geflossen waren, sprach von der gesetzlichen Pflicht, Verdachtsmomenten nachzugehen sowie die Öffentlichkeit zu unterrichten. Den Vorwurf einer öffentlichen Hinrichtung, den Friedman-Anwalt Eckart Hild formulierte, wies Retzlaff zurück. Erleichterung hatte bei der Berliner Justiz schon vor einigen Tagen geherrscht. Bei einem Pizza-Bäcker waren interne Ermittlungsergebnisse der Staatsanwälte per Fax aufgelaufen - wie sich herausstellte aber nicht durch ein Versehen der Behörde, sondern durch eine Panne im Büro des Friedman-Anwalts. Andererseits bleibt der Vorwurf bestehen, dass die Berliner Justiz erst dann die Notbremse zog und eine Informationssperre verhängte, als immer neue Einzelheiten über Friedmans Verstrickungen ins Rotlicht-Milieu längst durch die Medien geisterten. Die Ermittlungen zu einem polnisch-ukrainischen Menschenhändlerring, aus denen der Verdacht gegen Friedman entstanden war, reichten vorübergehend sogar bis in den Bundestag. Mit dem Strafbefehl dürfte Friedman, der nun vorbestraft ist, noch die bessere Variante akzeptiert haben. Er muss sich jetzt keinem öffentlichen Prozess mit peinlichen Zeugenbefragungen von Prostituierten stellen. Auch hätte es nach Justizangaben in einem Prozess durchaus zu einer höheren Strafe kommen können. Einen "Deal" habe es aber nicht gegeben, versichert die Staatsanwaltschaft.HA

 

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