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Deutschland

Kritik am Kurs der Partei

Frühere Vorsitzende Beer verlässt die Grünen

Die frühere Grünen-Vorsitzende Angelika Beer verlässt ihre Partei nach 30 Jahren. Die 51-Jährige, die derzeit noch Europaabgeordnete ist, kündigte ihren Austritt beim Parteitag der schleswig-holsteinischen Grünen an.


Foto: AP

Bad Oldesloe. Die frühere Grünen-Vorsitzende Angelika Beer verlässt ihre Partei nach 30 Jahren. Die 51-Jährige, die derzeit noch Europaabgeordnete ist, kündigte ihren Austritt beim Parteitag der schleswig-holsteinischen Grünen in Bad Oldesloe an, bei dem die Führungsspitze der Landespartei wiedergewählt wurde. Beer war im Januar beim Bundesparteitag in Dortmund trotz mehrerer Anläufe nicht auf einen sicheren Listenplatz für die Europawahl am 7. Juni gewählt worden.

Ihre Rückzugsankündigung verband Beer unter Tränen mit heftiger Kritik am Kurs der Grünen. In deren Politik spiele "Frieden programmatisch kaum noch eine Rolle", sagte die frühere Radikalpazifistin, die in den vergangenen zehn Jahren allerdings die rot-grüne Politik internationaler Bundeswehreinsätze mitgetragen hatte. Sie habe "Null Verständnis" dafür, "wenn es bei den deutschen Grünen nur noch um das Erringen von Macht geht und dafür den Westerwelles und Kubickis die Wähler in die Arme getrieben werden", sagte Beer unter Anspielung auf die FDP-Bundes- und Landesvorsitzenden Guido Westerwelle und Wolfgang Kubicki. Sie fügte hinzu: "Ich bleibe natürlich grün - aber ohne Parteibuch."

Die gebürtige Kielerin Beer gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in Schleswig-Holstein und war von 2002 bis 2004 auch Parteichefin auf Bundesebene. Zusammen mit Reinhard Bütikofer war sie an die Parteispitze gewählt worden, nachdem die Vorgänger Fritz Kuhn und Claudia Roth in einer dramatischen Nachtsitzung eines Parteitags den Rückhalt der Basis verloren hatten und zurückgetreten waren.

Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin hat mit Unverständnis auf den Parteiaustritt der früheren Grünen-Vorsitzenden Angelika Beer reagiert. "Ihre politischen Begründungen kann ich nicht nachvollziehen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion dem Hamburger Abendblatt. "Dass eine Partei nach Macht für ihre Inhalte strebt, ist das Wesen einer Partei. Dass die Friedenspolitik bei den Grünen inzwischen eine untergeordnete Rolle spiele, ist schlicht und einfach falsch." Zugleich sagte Trittin, er bedauere den Austritt von Frau Beer. Sie habe sich "um die Grünen verdient gemacht". Sie selbst habe persönliche und politische Motive für ihren Austritt genannt. Erstere könne er nicht bewerten.dpa/abendblatt.de

 

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