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Deutschland

Abendblatt-Serie: Erfolg versprechende Bundestagsabgeordnete

Der etablierte CDU-Provokateur

Sie sind jung, voller Schwung und auf dem Weg nach oben: In loser Folge stellt das Abendblatt Abgeordnete wie Sabine Bätzing (SPD), Daniel Bahr (FDP) oder Philipp Mißfelder (CDU) vor - mit etwas Glück die "Minister von morgen".

Berlin. Sein politisches Leben kann Philipp Mißfelder ganz klar unterscheiden: in "davor" und "danach". Vor der provokanten Aussage war der Chef der Jungen Union überzeugter Konservativer, mit Helmut Kohl als positivem Übervater - "weil meine Lehrer den schlimm fanden, fand ich den automatisch gut" - und einer traditionellen Grundausrichtung. Sein Weltbild war eindeutig: Die CDU ist gut, die anderen sind die Gegner, und ganz besonders galt das für die Alt-68er. "Vom Hausbesetzer zum Hausbesitzer" hätten die sich entwickelt.

Doch dann, 2003, kam das Interview zum Hüftgelenk. Er stellte infrage, ob auch noch 85-Jährige "auf Kosten der Solidargemeinschaft" künstliche Hüftgelenke bekommen sollten. Und wurde zum Buhmann der Nation. Wochenlang wurde er von der Boulevardpresse als "Milchbubi Mißfelder" geschmäht. "Da verteidigten mich fast nur linke Kommentatoren", erzählt der 29-Jährige. Mit der Erfahrung wandelte sich seine Einstellung gegenüber den 68ern.

In Sachen Hüftgelenk blieb Mißfelder hingegen bei seiner Position. Nicht alles, was wünschenswert ist, ist eben auch zu finanzieren. Zu vieles liege beim deutschen Gesundheitssystem im Argen. Dass etwa in Krankenhäusern die einzelnen Abteilungen gegeneinander um die Finanzmittel kämpfen, hält er für wenig sinnvoll - auch wenn ihm das Verhalten aus der Politik vertraut ist. In der Pflege hapere es, Ärzte würden nicht angemessen bezahlt, und, und, und. Die bisherigen Reformen hätten nur eines bewirkt: "Mehr zahlen für mehr Verwaltung und weniger Leistung." Froh ist er nur darüber, dass Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nicht alles durchsetzen kann: "Dann hätten wir längst eine Staatsmedizin." Mißfelder plädiert für Änderungen im Kleinen, etwa die Privatisierung von Zahnbehandlungen.

Mittlerweile fasst der gebürtige Gelsenkirchener den Begriff "konservativ" weiter als früher. "Die Familienpolitik von Frau von der Leyen ist für mich konservativ." Wer Frauen nicht die Bedingungen schaffe, damit sie arbeiten könnten, verschwende Ressourcen. Konservativ ist es für den studierten Historiker aber auch, den Staat in seine Schranken zu verweisen. Auch wenn das im Ruhrpott nicht unbedingt gerne gesehen wird: Die Rolle als schützende Wohltäter für alle Bereiche, die früher die Großkonzerne ausgefüllt hätten, müsste nach den Vorstellungen mancher Bürger nun der Staat übernehmen. Mißfelder: "Es gibt eine hohe Erwartung, dass jemand alles regelt." Er hingegen fordert mehr Freiraum - und mehr Generationengerechtigkeit. "Das ist mein wichtigstes Anliegen."

Es ärgert ihn, dass sich die Situation für junge Menschen in den letzten Jahren eher verschlechtert als verbessert hat. Kaum einer könne heutzutage noch sicher sein, einen Arbeitsplatz zu bekommen, viele bauten sich bereits während der Ausbildung ein mögliches zweites berufliches Standbein auf. "Die Jungen stehen heute mehr unter Druck als früher", so sein Urteil.

Mit seinen Forderungen, mehr Rücksicht auf die Belange der Jugend zu nehmen, und an den Privilegien der Älteren zu kratzen, stößt er in der Union nicht immer auf Gegenliebe. Auch mit Otto Wulff, dem Vorsitzenden der Senioren Union, kriegt Mißfelder sich regelmäßig in die Haare - und versteht sich doch gut mit dem Senior. "Denn genau diese Gegensätze, die nützen der Partei."

 

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