"60 Jahre Israel": Deutsch-israelische Diskussionsrunde im Abendblatt-Center
Ein besonderes Verhältnis
Kritik am jüdischen Staat sei legitim, solange die "schmale Grenze" zum Antisemitismus nicht überschritten werde, sagt der israelische Gesandte Ilan Mor.
Hamburg. Sechzig Jahre Israel, das bedeutet auch sechzig Jahre deutsch-israelische Beziehungen, die stets von einer besonderen historischen Qualität geprägt waren. Heute zeigt sich, dass gerade in der Jugend beider Länder ein großes gegenseitiges Interesse herrscht. Im Jugendaustausch stehe der Holocaust nicht mehr im Vordergrund, sagte der israelische Gesandte Ilan Mor bei einer Diskussionsrunde im Hamburger-Abendblatt-Center.
Er bemerkte zufrieden, dass in Deutschland die "Freunde Israels viel zahlreicher sind als dessen Kritiker". Auch die fünf wöchentlichen Flüge zwischen Israel und Berlin seien regelmäßig mit Deutschland-interessierten Israelis ausgebucht.
Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Hamburg nahm den anstehenden 60. Geburtstag Israels zum Anlass, um mit Unterstützung des Abendblatts zu einem Abend über die Zukunft Israels einzuladen. Harald Kindermann, der deutsche Botschafter in Tel Aviv, und Ilan Mor, der seit 2004 in der israelischen Botschaft in Berlin tätig ist, diskutierten unter der Leitung von Marius Schneider, dem geschäftsführenden Redakteur des Abendblatts vor etwa 200 Gästen. Beide Diplomaten kennen die Situation Israels von innen wie auch von außen und wissen einiges über die "einzigartige Beziehung" beider Staaten zu berichten.
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Kindermann sprach offen von dem "täglichen Umgang mit der Angst" in Israel. Der israelische Gesandte gestand, dass die Tätigkeit in Deutschland - auch aufgrund der Vergangenheit - "etwas Besonderes" sei. Jeden Tag müsse er sich mit Kritik an seinem Land auseinandersetzen. Diese sei legitim, solange die "schmale Grenze" zum Antisemitismus nicht überschritten werde. Auch Kindermann warnte vor einem intellektuell getarnten Antisemitismus, den er immer öfter beobachte.
Zum Friedensprozess in Nahost äußerten sich beide Diplomaten verhalten optimistisch. Kindermann warnte davor, dass "die Terroristen den Frieden abschießen" könnten, und Ilan Mor kam zum Schluss: "Ich bin optimistisch - aber mit Erfahrung." Es sei gut, dass die internationale Gemeinschaft und auch Deutschland den Prozess begleiteten, aber der Frieden müsse bei den Menschen ankommen. Der Erfolg hänge an der Frage, ob das Existenzrecht Israels von dessen Nachbarn akzeptiert werde.
Knut Teske, der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hamburg, bedankte sich am Ende für einen Abend "ohne Krawall und ohne Krach" - die sonst durchaus bei diesem Thema üblich seien.
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