Drogenkonsum: Jahresbericht über die Entwicklung in der Bundesrepublik
Deutsche rauchen weniger Cannabis - Zahl der Drogentoten sinkt
BERLIN. Erstmals ist der Konsum von Cannabis und anderen illegalen Drogen in Deutschland zurückgegangen. "Der Drogenkonsum ist insgesamt rückläufig", sagte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) am Dienstag in Berlin bei der Präsentation eines neuen Berichts der "Deutschen Referenzstelle für die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht".
Erwachsene würden erstmals seit Jahren seltener zu illegalen Drogen greifen, weniger Jugendliche probieren Cannabis. Dennoch nehmen noch mehr als doppelt so viele Menschen mindestens einmal im Jahr illegale Suchtmittel als Anfang der 90er-Jahre. Die Zahl der Drogentoten sank im Vorjahr um 2,3 Prozent auf 1296 Fälle.
2006 hätten noch 2,7 Prozent der 18- bis 59- Jährigen mindestens einmal im Monat zu Drogen gegriffen, drei Jahre vorher waren es noch 3,9 Prozent, sagte Bätzing. Der Anteil derer, die mindestens einmal im Jahr Rauschmittel nahmen, sank um 2,6 Punkte auf 9,6 Prozent. Davor war der Anteil von 4,3 Prozent im Jahr 1990 nahezu kontinuierlich gewachsen.
Bei den Jugendlichen ging der zuletzt stark gestiegene vereinzelte Cannabiskonsum deutlich zurück. So probierten von den 14- bis 17-Jährigen noch 13 Prozent mindestens einmal im Jahr Haschisch oder Marihuana, 2004 waren es noch 22 Prozent. Dazu beigetragen habe, dass weniger Jugendliche Zigaretten rauchten, sagte Bätzing. Immer noch konsumierten aber 3,3 Prozent der Jugendlichen und 2,2 Prozent der Erwachsenen regelmäßig Cannabis. Insgesamt rund 600 000 Menschen hätten Cannabis-Probleme, mehr als ein Drittel sei abhängig. 28 000 Cannabis-Konsumenten in Deutschland werden therapiert.
Rückgänge gab es insgesamt auch bei Amphetaminen, Ecstasy, LSD, Opiaten und Kokain. Im Gegensatz zur Entwicklung in Europa gibt es in Deutschland keine Anzeichen für eine erhebliche Zunahme des Kokainkonsums. Die Zahl der Menschen, die Kokain konsumieren, sei seit Jahren "auf niedrigem Niveau relativ stabil", erklärte der Leiter der deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, Tim Pfeiffer-Gerschel. Bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 39 Jahren sei sogar ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Allerdings warnte er vor dem "lauernden Problem", dass durch Drogenspritzen Hepatitis C weitergegeben wird. 2006 gab es 7500 Erstdiagnosen.
Nach Angaben des Direktors der EU-Drogenbeobachtungsstelle Wolfgang Götz ist bei Cannabis mit drei Millionen regelmäßigen Konsumenten europaweit der Höhepunkt des "eskalierten Konsums" bereits erreicht. Deutschland liege bei allen Drogen hinsichtlich der Konsumentwicklung "irgendwo im Mittelfeld". Bei Vorsorgeprogrammen sei Deutschland aber mit "an der Spitze".
Götz unterstützte die SPD indirekt in ihrer Forderung nach einem flächendeckenden Einsatz von synthetischem Heroin (Diamorphin) für Schwerstabhängige. Die jüngste deutsche Studie zeige, dass die Methode "sehr viel Sinn" habe.



100. Geburtstag
Axel Springer






Branchenbuch Hamburg
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




