Es war Freitagmittag ein Hoffen und Bangen - wird man im Exzellenzwettbewerb erfolgreich sein? Dann die erlösende Nachricht . . .
Hamburg. Die Nachricht aus Bonn kommt zu früh. Während Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz mit Argusaugen ihr Handy überwacht, weil für 14 Uhr der ersehnte Anruf aus Bonn angekündigt ist, kontrolliert ihr Assistent Christian Hild zur Sicherheit die E-Mails. Und entdeckt schon um 13.30 Uhr eine Nachricht der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Ihr schicksalsträchtiger Betreff: Alle Gewinner der zweiten Runde des Exzellenzwettbewerbs. Aufgeregt geht Hild die Liste durch, bis er in der Förderlinie "Exzellenzcluster" zwischen Freiburg und Hannover die Universität Hamburg entdeckt. Er stürmt ins Büro der Präsidentin: "Wir haben es geschafft!"
Auweter, die in der Nacht auf Freitag vor Aufregung kaum geschlafen hat, begibt sich daraufhin sofort auf den Weg in den Senatssaal, der sich unter der Kuppel des altehrwürdigen Uni-Hauptgebäudes an der Edmund-Siemers-Allee befindet. Dort treffen auch immer mehr Kollegen des Zentrums für Marine und Atmosphärische Wissenschaften der Universität, des Max-Planck-Instituts für Meteorologie und des Deutschen Wetterdienstes ein.
Eigentlich wollen alle gemeinsam auf den Anruf warten. Zusammen hoffen und bangen, ob ihr Einsatz von der Jury belohnt wird. Doch als die bis über beide Ohren strahlende Präsidentin wenige Minuten später schnellen Schrittes den Sitzungssaal entert, ist allen sofort klar: Sie weiß es schon! Und es hat geklappt!
Die Stimme der sonst so bedächtigen Wissenschaftlerin überschlägt sich fast, als sie allen beteiligten Kollegen für ihr Engagement dankt und herzlich gratuliert. "Dieses Ereignis gibt der Universität Hamburg einen großen Schub nach vorne."
Bald trifft auch Wissenschafts-Staatsrat Roland Salchow (CDU) ein, der die besten Wünsche des Senats übermittelt. Durch die an diesem Freitag bewilligte Förderentscheidung stehen für das Klimacluster, das alle hier nur "CliSAP" nennen, in den kommenden fünf Jahren rund 25 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Ein ordentlicher Batzen, doch die Entscheidung bedeutet auch einen unbezahlbaren Prestigegewinn für die Hochschule.
Salchow sagt: "Die Stadt fördert dieses Projekt im gleichen Zeitraum mit weiteren knapp neun Millionen Euro. Die Spitzenforschung in dieser Stadt und an unserer Universität wird vorangetrieben. Wir wollen schließlich nicht, dass sie zur Fachhochschule wird."
Die Präsidentin, die monatelange Auseinandersetzungen mit dem Hamburger Senat über die Finanzierung der Uni hinter sich hat, gerät nun in einen regelrechten Überschwang der Gefühle - und umarmt zuerst den Staatsrat ("Ohne die Untersützung durch die Landespolitik hätten wir es nicht geschafft") und danach Martin Claußen, den erfolgreichen Koordinator des Klimaclusters. Der aber lobt das "Teamwork": "Wenn nicht alle Beteiligten Spitzenleistungen bringen, kann aus so einem Vorhaben nichts werden", sagte Claußen.
Beifall brandet auf. Den bei Sekt, Kuchen und Kaffee versammelten Wissenschaftlern ist klar: Obwohl Klimaforschungsprojekte gerade en vogue sind, war heute gar nichts sicher. Wie als Beleg wird eine Karte der Bundesrepublik herumgereicht, in der alle Unis eingezeichnet sind, die im Exzellenzwettbewerb zum Zuge kommen - die meisten sind in Deutschlands Süden.
Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos), der an der entscheidenden Sitzung in Bonn teilgenommen hat, meldet sich per Handy bei Salchow, lässt Grüße bestellen. Er ist noch auf dem Weg zum Flughafen, will aber später nachkommen. Bürgermeister Ole von Beust (CDU) spricht von einem "großartigen Erfolg": "Hamburg hat mit dem Klimacluster ein einzigartiges Exzellenzzentrum von internationalem Renommee."





