Islamisten: Die drei Verhafteten Männer wurden schon früh zu radikalen Moslems
Terror-Zelle soll 50 Mitglieder haben
Die Behörden rechnen mit Racheakten nach den Verhaftungen. Unter den Gesuchten sind viele Türken.
KARLSRUHE. Nach der Festnahme von drei Terrorverdächtigen befürchten Sicherheitsbehörden langfristig Vergeltungsaktionen von Islamisten. Gewalttaten könnten sich etwa gegen die ermittelnde Bundesanwaltschaft, das Bundeskriminalamt oder Landespolizeien richten, verlautete am Freitag aus Sicherheitskreisen. Auch könne nicht ausgeschlossen werden, dass unentdeckte Mitglieder der Islamischen Dschihad-Union an den ursprünglichen Plänen für Anschläge festhielten.
Ein vierter Komplize der drei im Sauerland unter Terrorverdacht festgenommenen Männer könnte den Fahndern knapp entwischt sein. Offenbar konnte ein 20-jähriger Deutscher, der zuvor mit dem verhafteten 21-jährigen Daniel Martin S. in einer Wohnung zusammengelebt hatte, dem Zugriff der Polizei entkommen. Der 20-Jährige sei aber kein Beschuldigter und könne daher reisen, wohin er wolle, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft zu einem entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Somit sei er den Behörden deshalb auch nicht entwischt.
Die drei am Dienstag im Sauerland festgenommenen Terrorverdächtigen stehen nach Angaben des bayerischen Innenministers Günther Beckstein (CSU) an der Spitze einer deutlich größeren Gruppe. Sie umfasse rund 50 Mitglieder, sagte Beckstein am Freitag. Bislang wird die Islamische Dschihad-Union für die verhinderten Anschläge verantwortlich gemacht. Ihr gehören der "Süddeutschen Zeitung" zufolge auch die Türken Dana B. und Ömer Ö. aus Baden-Württemberg und der 22-jährige Attila S. aus Frankfurt am Main an, der gemeinsam mit dem am Dienstag verhafteten Fritz G. im Herbst 2006 die US-Kaserne in Hanau ausspioniert haben soll.
Fritz G. (28) gilt als Kopf der Bande. Er konvertierte mit 18 Jahren zum Islam und hielt sich in der extremistischen Szene des Islamischen Informationszentrums in Ulm auf. Dort studierte der Sohn aus bürgerlichem Haus Wirtschaftsingenieurwesen. Was ihn derart radikalisierte, ist ein Rätsel.
Ein weiteres Gruppenmitglied ist offenbar der 23-jährige Ägypter Hussein al-M. Er habe bis vor Kurzem in Pakistan wegen illegalen Grenzübertritts in Haft gesessen und sei am Tag der Festnahme des Trios, am Dienstag nach Deutschland zurückgekehrt. Ein weiteres Mitglied der Gruppe, der in Deutschland aufgewachsene Türke Zafer S., halte sich vermutlich im Irak im Umkreis der al-Qaida auf. Gegen keinen dieser Verdächtigen bestehe dringender Tatverdacht, deshalb seien bislang auch keine Haftbefehle beantragt worden, hieß es in der Bundesanwaltschaft. Für beunruhigend halten die Ermittler, dass viele Türken zu den Verdächtigen gehören. Aus dieser größten muslimischen Gruppe in Deutschland waren bisher keine Extremisten aufgefallen. Sie galten als gut eingebunden und integiert und nicht anfällig.
Die Verdächtigen gingen äußerst konspirativ vor. Das bestätigte am Freitag Berlins Innensenator Erhart Körting (SPD). Sie seien sehr schnell und sehr flexibel gewesen und hätten ihre Botschaften nicht vom eigenen PC aus gesendet, sondern von wechselnden Internetcafes, per Laptop und indem sie sich in ungesicherte WLAN-Verbindungen eingewählt hätten. Außerdem hätten sie zum Teil mehr als 30-mal die Handys gewechselt.
Der entscheidende Tipp auf die Gruppe kam aus den USA. Nach Angaben des innenpolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestags-fraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), ging er auf Online-Durchsuchungen der US-Geheimdienste zurück, sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Nach Informationen der Zeitung griffen die US-Geheimdienste auch auf Computer in Deutschland zu. "Die ursprünglichen Impulse gingen von Pakistan aus", so Uhl. Dort seien auch die Erkenntnisse durch nachrichtendienstliche Überwachung gewonnen worden.



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