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Deutschland

Hamburger Anwalt seit zwei Jahren Moslem

Hamburg. Wenn Nils von Bergner beschreiben soll, warum er zum Islam übergetreten ist, dann fehlen ihm ein wenig die klaren Worte. "Das sind manchmal auch Dinge, die man nicht wirklich erklären kann", sagt der Hamburger Rechtsanwalt (36). Eine Sache des Herzens sei es gewesen, genauso wie ein intellektueller Prozess, in dem er sich sehr genau mit dem Islam auseinandergesetzt hat.

"Ich war schon immer gläubig, aber ich hatte oft das Gefühl herumzuirren", sagt er. Die Überzeugung, etwas an Gott von seiner Liebe zurückgeben zu können, fand er aber erst im Islam. Vor zwei Jahren sprach Nils von Bergner in der Hamburger Centrums-Moschee auf St. Georg sein Glaubensbekenntnis und gilt seither als Muslim.

Seine ersten Kontakte zum Islam bekam von Bergner über seine türkischen Freunde. Ramadan, fünfmal am Tag beten, kein Schweinefleisch, kein Alkohol, das alles war ihm lange vertraut. Dann las der Jurist eine Biografie über Mohammed und war sehr beeindruckt. "Ein bisschen war das auch der Auslöser", sagt er. Überrascht hat ihn, dass es die "ethisch-moralischen Grundsätze", die er in der Bibel fand, auch im Koran gibt. Damit löste auch von Bergner sich von dem Vorurteil, der Islam sei eine kriegerische Religion, wie er sagt. "Ich musste nichts von dem, was ich bisher geglaubt hatte, aufgeben. Ich habe eher meine Glauben erweitert."

Nun aber findet Nils von Bergner sich in einer Diskussion über radikale Konvertiten wieder, in der er sich fragt: "Welche Gefahr soll ich denn sein?" Er habe seinen Charakter nicht geändert und sei auch nicht radikaler geworden, nur weil er die Religion wechselte. "Ich wollte eher noch ein viel besserer Mensch sein", sagt der Rechtsanwalt.

Einen Automatismus, der besagt, wer konvertiert, wird auch radikal, lehnt er ab. "Das kann ich nicht nachvollziehen", sagt er. Wer konvertiere und im Namen der Religion Terror verbreite, der müsse einen "psychischen Knacks" haben. Mit dem Islam könne das nichts zu tun haben. Natürlich wird auch er immer wieder darauf angesprochen. Rechtfertigen müsse er sich nicht, aber immer wieder erläutern und erklären.

Nils von Bergner selbst hält sich für einen sehr liberalen Muslim. Zwar richtet er sich nach den Gebetsregeln, verzichtet auch auf Alkohol und Schweinefleisch, nie aber würde er von einer Frau verlangen, ein Kopftuch zu tragen. "Jeder muss seinen Glauben für sich definieren", sagt er.mai

 

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