Besonders belastend: Kunststoffweichmacher, Passivrauchen, Pflanzenschutzmittel und die Luft in Innenräumen.

BERLIN. Kinder aus ärmeren Familien leiden unter anderen Umweltgiften als der Nachwuchs höherer sozialer Schichten. Das ist das Ergebnis aus dem sogenannten Kinder-Umwelt-Survey des Umweltbundesamtes (UBA). 1790 Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren nahmen an der Studie teil. Untersucht wurden Blut -, Urin- und Trinkwasserproben sowie Proben aus Hausstaub und Innenräumen.

Laut Studie sind alle Kinder von Umweltbelastungen betroffen. Kinder aus ärmeren Familien weisen jedoch zum Beispiel eine höhere Belastung durch das Passivrauchen oder durch Blei auf. Bei Kindern aus höheren sozialen Schichten ist die Belastung durch Organophosphat-Pflanzenschutzmittel deutlich höher.

Befunde aus dem Bericht zeigen, dass der Verbrauch von mehr als einem halben Glas Fruchtsaft pro Tag bereits zu einem deutlichen Anstieg der Stoffwechselprodukte aus Organphosphaten-Pflanzenschutzmitteln führt. Die Schlussfolgerung, dass mehr belasteter Fruchtsaft in Familien mit höherem Sozialstatus getrunken werde, könne man jedoch noch nicht ziehen, sagte der Sprecher des UBA, Martin Ittershagen. "Wir haben bisher nur die Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen. Bei den Erklärungen tappen wir noch im Dunkeln."

Belastungen durch Weichmacher für bestimmte Kunststoffe waren im Urin aller untersuchten Kinder nachweisbar. Die Ergebnisse zu Belastungen der Kinder mit diesen Stoffen sind der Studie zufolge besorgniserregend, da sie die akzeptablen täglichen Aufnahmemengen überschreiten.

"Es gibt einige Stoffe, die uns richtig Sorgen machen", sagte UBA-Präsident Andreas Troge. Dabei ist nach seinen Worten unklar, wie die Weichmacher in den menschlichen Körper kommen. Vermutet werden nicht Kleinkinder-Plastikspielzeuge, in denen die Weichmacher seit 1999 in der EU nicht mehr verwendet werden dürfen, sondern Nahrungsmittelverpackungen. Unter Verdacht stehen zum Beispiel die Dichtungen von Twist-off-Deckeln oder Folien, die direkt mit fetthaltigen Speisen in Kontakt kommen.

Kinder halten sich laut der Studie täglich fast 15 Stunden in der Wohnung der Eltern auf, meistens ohne zu lüften. Sie sind somit Schadstoffen in der Innenraumluft und ihren möglichen toxischen Wirkungen lange ausgesetzt. Acht Prozent der Kinder sind bereits mit Wohnungs-Schimmel in Kontakt gekommmen.

Etwa die Hälfte der Kinder ist zudem zu Hause dem Tabakrauch ausgesetzt, in den neuen Bundesländern nimmt die Belastung noch zu. Die Folgen sind Atemwegserkrankungen, Allergien, Mittelohrentzündungen und eine allgemeine Infektionsanfälligkeit. "Wir können hier nur an die besondere Verantwortung der Eltern appellieren", so UBA-Präsident Troge. 14 Prozent der Kinder weisen eine Gehörschädigung auf, sechs Prozent fühlen sich laut Elternangaben vom Straßen- und Fluglärm gestört. "Der Straßenlärm ist eine dominierende Geräuschquelle, seine negativen Auswirkungen dürfen wir nicht unterschätzen", sagte Troge.hpwib