Erst feierten sie, dann rannten sie um ihr Leben
MÜGELN. Sie wollten einfach nur mitfeiern - und erlebten am Ende eines Stadtfestes Todesangst. Acht indische Textilhändler rannten im sächsischen Mügeln um ihr Leben, verfolgt von rund 50 Jugendlichen und Heranwachsenden, die immer wieder "Ausländer raus" riefen. Eine Menschenmenge stand tatenlos dabei und griff nicht ein. "Was soll man machen, sonst bekommt man auch noch was ab", sagt die Bäckereiverkäuferin Manuela Naumann.
Der 39 Jahre alte Kulvir Singh verbirgt sein geschwollenes Gesicht hinter einer Sonnenbrille. Er und seine Freunde seien im Festzelt immer wieder angerempelt worden, erinnert er sich. Er sei mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen worden, wobei auch sein Auge getroffen wurde. Sie seien auch mit Reizgas angegriffen worden. "Wir haben uns dann sofort zurückgezogen", sagt er. Draußen ging die Hetzjagd erst richtig los. Die Inder flüchteten zu einer 50 Meter entfernt liegenden Pizzeria. Dort schlossen sie sich zusammen mit zwei Polizisten ein.
Der Mob habe jedoch ungebremst weitergemacht und versucht, von der Rückseite des Gebäudes einzudringen, sagt der Besitzer der Pizzeria. Dabei wurde auch sein Renault mit Pflastersteinen zerstört. "Wenn nicht die beiden Polizisten bei uns gewesen wären, hätten uns die Leute bestimmt umgebracht", glaubt Singh. Zeugen zufolge kamen erst nach einer Stunde bei einem Großeinsatz 70 Polizisten zu Hilfe, die mit Steinen und Flaschen beworfen wurden, die Menge aber abdrängen konnte.
Ein Zeuge schildert in "Spiegel Online", zuvor am Abend sei an seinem Haus "eine geschlossene Gruppe" vorbeigezogen, "so etwa 30 bis 40 Leute", die Richtung Marktplatz gingen. Nach ihrem Erscheinungsbild ordnete er sie der rechten Szene zu: "Das waren Krawalltouristen." Ein junger Mann vom Mügelner Jugendtreff bezweifelt in "Spiegel Online" jedoch, dass es ein Neonazi-Überfall gewesen sei: "So etwas habe ich noch nie erlebt. Da waren am Ende alle dabei, von Jung bis Alt, vom Punk bis zum Skinhead."
Zweimal pro Woche verkaufen die Inder auf dem Markt in Mügeln ihre Textilien. Bisher hätten sie dort keine Belästigungen erlebt, sagt Singh. Bürgermeister Deuse hält Polizeischutz nicht für nötig, wenn sie wieder dort stehen.



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