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Deutschland

Bundespräsident: Beim Einkauf bewusster entscheiden

"Verbraucher haben Macht"

BERLIN. Deutschlands Verbraucher sollen bei ihren täglichen Einkäufen bewusster entscheiden und dadurch mithelfen, schonender mit Ressourcen zu wirtschaften. Das forderte Bundespräsident Horst Köhler gestern auf dem Ersten Deutschen Verbrauchertag. "Wir haben Macht. Unsere Macht ist die Nachfrage", sagte Köhler. "Unser eigener Warenkorb mag klein sein, aber wir alle zusammen bewegen täglich riesige Gütermengen."

Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) appellierte an die Verbraucherzentralen mit Politik und Wirtschaft an einem Strang zu ziehen. Man dürfe Verbraucherpolitik nicht als Gegensatz zur Wirtschaft verstehen. Seehofer bezeichnete die Verbraucherorganisationen als mitunter "zäh, hartnäckig und lästig, aber notwendig". Noch habe Verbraucherpolitik einen schweren Stand, ähnlich wie früher Sozial- und Umweltpolitik.

Auf dem Deutschen Verbrauchertag diskutierten Politiker, Verbraucherschützer und Unternehmensvertreter die Rolle der Verbraucher in einer globalisierten Welt. Eingeladen hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Dem Dachverband gehören 16 deutsche Verbraucherzentralen und weitere Konsumentenorganisationen an.

Jedes Produkt habe ein "zweites, unsichtbares Preisschild", sagte Köhler. Diesen zweiten Preis zahlten aber nicht die Käufer, sondern andere Menschen, Tiere und die Umwelt. "Kennen wir die Arbeitsbedingungen der Frauen, die in Südamerika Blumen für den Export schneiden, oft ohne Schutz vor bedenkenlos verwendeten Pestiziden?", fragte er. Um bewusster entscheiden zu können, müssten Verbraucher besser über die Produktionsbedingungen informiert sein, so der Bundespräsident.

Auch Edda Müller, die Vorsitzende des vzbv, forderte eine verstärkte Aufklärung der Verbraucher. "Wer sagt, unter welchen sozialen und ökologischen Arbeits- und Produktionsbedingungen eine Ware hergestellt wurde, wird von den Verbrauchern belohnt werden", so Müller. Die 64-Jährige wird zum 1. August ihr Amt als Vorsitzende des Dachverbandes der Verbraucherzentralen aufgeben. Köhler würdigte sie als eine der Ersten, die erkannt hätten, dass Verbraucherschutz nicht nur bedeute, Verbraucher vor schlechter Qualität zu warnen, sondern auch, sie auf die Folgen ihres Konsumverhaltens aufmerksam zu machen. Seehofer würdigte Müllers Arbeit mit der Prof.-Niklas-Medaille. Die Auszeichnung, benannt nach dem ersten Landwirtschaftsminister der Bundesrepublik, wird vom Verbraucherministerium für besonderen Einsatz in diesem Bereich vergeben. Nachfolger von Edda Müller wird Gerd Billen, bislang Leiter der Umwelt- und Gesellschaftspolitik der Unternehmensgruppe Otto.

Dass eine verstärkte Aufklärung die Kaufentscheidungen von Verbrauchern beeinflusst, zeigen folgende Beispiele: Seit 2004 müssen EU-weit Eier nach Haltungsform, Herstellerland und Legebetrieb gekennzeichnet werden. Laut dem vzbv sank der Absatz von Eiern aus der Käfighaltung innerhalb eines Jahres von 57 Prozent im ersten Halbjahr 2004 auf 43 Prozent im Jahr 2005. "Sobald Skandale an die Öffentlichkeit dringen, reagieren auch die Unternehmen", sagte Christian Fronczak vom vzbv dem Abendblatt. Auch der Umsatz ökologisch erzeugter Produkte verdoppelte sich mit Einführung des Biosiegels im Jahr 2000. Wurden 2000 zwei Milliarden Euro umgesetzt, waren es 2006 4,5 Milliarden Euro.sap, dpa

 

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