Deutschlandfonds für alle?
Finanzokratisches Paralleluniversum
Kommentar
Erster! Glückwunsch, Kurt Beck, endlich mal ein gemeinsames Projekt der Großen Koalition mit SPD-Zungenschlag vor dem Konkurrenten, Pardon: Partner verkündet. Das schärft das Profil, da erinnern sich die Wähler noch Jahrzehnte später, wer die Idee in die Öffentlichkeit trompetet hat.
"Deutschlandfonds" klingt nach einem großen Wurf in der sozialstaatlich wichtigen Mitarbeiterbeteiligung an Unternehmen. Doch beim beckschen Entwurf staunt der Fachmann, und der Laie wundert sich: Wird da etwa noch eine Säule der Altersvorsorge aufgebaut? Schon durch das Dickicht von kollektiver Verriesterung, betrieblicher Zusatzsicherung und privater Rentenfonds blicken nur wenige durch. Es gab ja auch mal die Eigenheimzulage für die, die der bewährten Idee eigener vier Wände als Altersvorsorge anhingen. Mit welchem Argument wurde sie eigentlich gestrichen?
Oder geht es nur um eine neue Bürokratie mit Bürgereinlage, ein finanzokratisches Paralleluniversum, das als Kosponsor der deutschen Wirtschaft auftritt? Die Eigenkapitalquote des deutschen Mittelstandes zu erhöhen ist so notwendig wie ehrenhaft. Doch es sollte einfachere, effektivere Methoden geben, Mitarbeiter steuerlich sinnvoll an ihren Unternehmen zu beteiligen.
Da sind auch die Unternehmer und ihre Verbände gefragt. Welche Modelle können sie sich vorstellen, die man staatlich fördern kann? Welche Art von Sicherungen für die Einlagen der Mitarbeiter sind denkbar? Für flexible und überschaubare Formen der Mitarbeiterbeteiligung ist nicht unbedingt das große politische Besteck nötig.



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