Sonntag, 12. Februar 2012, 20:29

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Deutschland

Arbeitnehmerbeteiligung: Zusätzlich zur Rente

Koalition plant: Anteile für alle an Deutschland-AG

CDU begrüßt SPD-Vorschlag. Wirtschaftsexperte Straubhaar fürchtet zu viel Bürokratie.

Berlin/Hamburg. Der Name klingt nach einem großem Programm: Mit einem "Deutschlandfonds" will SPD-Chef Kurt Beck Arbeitnehmer am Kapital der Unternehmen beteiligen und gleichzeitig bei der Altersvorsorge einen neuen Weg einschlagen: Mitarbeiter kaufen Fondsanteile, der von privaten Banken oder der staatlichen KfW-Bankengruppe gemanagte Fonds stellt Unternehmen Kapital zur Verfügung - und Gewinne fließen an die Arbeitnehmer zurück.

Die Fondsanteile wären frei handelbar, eine Beteiligung könnte auch Bestandteil von Tarifverträgen sein. Außerdem will die SPD, dass der Kauf von Anteilen bis zu einer Höhe von 400 Euro im Jahr gefördert wird. Firmen sollen ihren Mitarbeitern Fondsanteile im Wert von maximal 240 Euro im Jahr steuerfrei überlassen können. Eine Bundesgarantie soll den Deutschlandfonds vor Zahlungsunfähigkeit schützen.

Beck sagte dem "Stern": "Wenn der Deutschlandfonds Beteiligungen beispielsweise an 1000 Firmen besitzt, bricht er nicht zusammen, wenn mal zwei insolvent sind." Der maßgeblich am Konzept beteiligte Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Olaf Scholz, will heute das Modell vorstellen. Am Freitag zieht die Union mit ihrer Idee von Mitarbeiterbeteiligung nach. Der Unions-Arbeitsmarktexperte Ralf Brauksiepe sagte dem Abendblatt: "Wir begrüßen, dass jetzt auch die SPD einen Vorschlag gemacht hat. Uns geht es aber nicht nur um Altersvorsorge, sondern um Teilhabegerechtigkeit, wie man Mitarbeiter an Unternehmen beteiligt und sie bindet."

Skeptisch gegenüber dem Deutschlandfonds zeigt sich Prof. Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI): "Die Stoßrichtung der Idee ist richtig und sinnvoll. Ich fürchte aber mehr Bürokratie und mehr Regulierung." Straubhaar betonte gegenüber dem Abendblatt, dass es dank unzähliger Fonds schon heute viele Möglichkeiten gibt, gezielt in deutsche Firmen zu investieren: "Wieso soll der Staat besser wissen als beispielsweise die Deutsche oder die Dresdner Bank, wie und wo man ertragreich investiert?" Straubhaar fürchtet, dass am Ende der Steuerzahler dafür zahlt, dass der Fonds eine höhere Sicherheit der Einlagen bieten soll.

Während Beck seinen Plan Kanzlerin Angela Merkel als wichtige Aufgabe für die Große Koalition schmackhaft machen will, hat der Mittelstand Bedenken: Der Deutschlandfonds sei zu kompliziert, sagte der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven. "Ich sehe die große Gefahr, dass die Fondsmittel missbräuchlich verwendet werden, um beispielsweise Haushaltslöcher zu stopfen."

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus