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Deutschland

Kirchentag: Hitzige Diskussion zwischen Protestanten und Muslimen

Offene Worte auf beiden Seiten: Bischof Huber kritisiert Männerdominanz in den Moscheen

KÖLN. Bischof Wolfgang Huber will es wissen: Wie weit kann er gehen im Dialog mit Muslimen, ohne das Gespräch an sich zu gefährden? Er kann offenbar weit gehen, wie sich beim Kirchentag in einem heftigen Schlagabtausch des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit hochrangigen Islamvertretern zeigte. "Männerdominanz" in Moscheen warf Huber muslimischen Gläubigen vor. Und: Es sei auch nicht erlaubt, den Koran zu kritisieren.

Doch auch die Islamvertreter waren nicht zimperlich: Die EKD schüre Islamfeindlichkeit in Deutschland, bekam der Bischof vom Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime (KRM), Ayyub Köhler, zu hören.

Das Gespräch zwischen Protestanten und Muslimen hat eine neue Offenheit erreicht. Man wagt sich über diplomatische Freundlichkeiten hinaus und an heikle Fragen heran. Bekir Alboga, Dialogbeauftragter der Union der Anstalt für Religion (Ditib), sagt es am Rande der Veranstaltung so: "Wir Muslime stehen auf der Schwelle zu einer echten Offenheit". Mit politischem Taktieren, um etwa den Bau von Moscheen einfacher durchsetzen zu können, habe das nichts zu tun. "Seit fünf Jahren beteilige ich mich bei Kirchen- und Katholikentagen an Bibelarbeiten. Dazu zwingt mich keiner."

Dem überwiegend protestantischen Publikum gefällt die klare Sprache der Diskutanten. Es hat "seinen" Bischof Huber zu Beginn mit starkem Applaus begrüßt und kritische Äußerungen regelmäßig klatschend unterstützt.

Auslöser des Streits zwischen Huber und Köhler ist ein EKD-Positionspapier zum Islam. Diese "Handreichung" sorgt seit der Veröffentlichung im November für Unmut unter Muslimen. Köhler und Alboga sind überzeugt, das Papier müsse umgeschrieben werden. Daraus sprächen nur "Abgrenzung und eigene Profilierung", so Koordinierungsrats-Sprecher Köhler. "Gerade von Protestanten hätten wir uns mehr Verständnis für unsere Situation erhofft", appelliert der in den 1970er-Jahren zum Islam konvertierte Köhler an die Zuhörer.

Huber darauf: "Alles was wir in der Handreichung wollen, ist differenzieren. Mehr wollen wir nicht." Einen "Generalverdacht" gegen Muslime könne er in dem Papier einfach nicht ausmachen. Während der EKD-Ratsvorsitzende nach vorn prescht, schlagen die Organisatoren des Kirchentags verhaltenere Töne an. Sie legten Wert darauf, dass der Kirchentag den christlich-muslimischen Dialog ungeachtet aller Missstimmungen nicht abbrechen lassen wolle. Immerhin sei diese Tradition schon 25 Jahre alt, sagte Generalsekretärin Ellen Ueberschär. Dazu gehört Bibelarbeit islamischer Theologen ebenso wie ein Podium über Ehrenmorde und Zwangsehen in muslimischen Familien.

"Lasst nicht Geld die Welt regieren"

In einem eindringlichen Appell an den G-8-Gipfel rief der Kirchentag zur Achtung der Menschenwürde auf. "Lasst nicht Geld die Welt regieren", sagte Kirchentagspräsident Reinhard Höppner bei einer Live-Schaltung zum Konzert "Deine Stimme gegen Armut" nach Rostock. "Setzt nicht auf Wachstum, das die Würde der Menschen verletzt. Reißt die Mauern ab zwischen denen, die entscheiden, und denen, die von diesen Entscheidungen betroffen sind."

Der Irak-Krieg sei "ein schreckliches Beispiel, wie Chaos entsteht, wenn Betroffene nicht rechtzeitig mitreden können", sagte Höppner.dpa, epd, KNA

 

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