Montag, 28. Mai 2012, 04:18

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Deutschland

Comeback: Ehemaliger SPD-Vorsitzender will neue Linke führen

Lafontaine bald wieder Parteichef?

Müntefering hält seinen früheren Genossen für einen Verräter und schließt jegliche Zusammenarbeit aus.

BERLIN/HAMBURG. Als Oskar Lafontaine nur ein halbes Jahr nach dem fulminanten Wahlsieg der SPD 1998 den Wählern und seiner Partei seinen Finanzministerposten und den SPD-Vorsitz quasi vor die Füße warf, beklagte er fehlenden "Teamgeist" und "schlechtes Mannschaftsspiel". Nun scheint er es wieder gefunden zu haben.

Acht Jahre später ist er nicht nur als Fraktionsvorsitzender der Linkspartei/PDS im Bundestag, sondern auch als künftiger Parteivorsitzender wieder zurück auf der poltischen Bühne. Nach dem erfolgreichen Mitgliedervotum der ostdeutschen Linkspartei/PDS (96,9 Prozent) und der westdeutschen WASG (83,9 Prozent) für eine neue gesamtdeutsche Linke am Wochenende ist klar: Lafontaine soll gemeinsam mit PDS-Chef Lothar Bisky "Die Linke" führen. Am 16. Juni ist der Gründungsparteitag geplant.

Das geschäftsführende WASG-Vorstandsmitglied Klaus Ernst bestätigte: "Oskar wird antreten." Der 63-Jährige war zuvor von dem in Fürth tagenden Vorstand der WASG offiziell zur Kandidatur aufgefordert worden. Ernst lobte, dass Lafontaine seinen Zielen und Idealen immer treu geblieben und als ehemaliger Bürgermeister, Ministerpräsident, Bundesminister und Parteivorsitzender einer der erfahrensten und profiliertesten linken Politiker des Landes sei. "Wir freuen uns, dass wir ihn für unser Projekt der neuen Linken gewinnen konnten", sagte er.

Wie tief es in den Knochen der SPD-Genossen steckt, dass Lafontaine ihnen alles andere als treu geblieben ist, zeigt die Reaktion von Arbeitsminister Franz Müntefering, der Lafontaine schon damals einen Verräter nannte. Er räumte am Wochenende im Deutschlandfunk ein, dass seine Abneigung gegenüber der Linken auch mit Lafontaine zusammenhänge. Für ihn wird es eine Zusammenarbeit nicht geben. Die Partei zeige eine Art von "links sein", die nicht zukunftsträchtig sei, sondern "eine nostalgische Veranstaltung".

Lafontaine räumte diese Einwände gegen eine Zusammenarbeit zur Seite. "Es ist kindisch, in der Politik personenbezogene Bedingungen zu stellen", sagte er. Macht sei nicht an Regierungsämter gebunden. "Ich will wieder mehr soziale Gerechtigkeit. Ämter hatte ich genug", sagte Lafontaine, der bisher als durchaus machthungriger Politiker galt. Er ist einer der brillantesten politischen Redner, dem es auf dem SPD-Parteitag 1995 in einer mitreißenden Rede gelang, sich selbst an die Stelle von SPD-Chef Rudolf Scharping zu katapultieren.

Dass es ein ernst zu nehmendes Wählerpotenzial der Linken gibt, das vor allem der SPD Sorgen bereitet, zeigt nicht nur die Wahl in Bremen, wo die Linkspartei erstmals mit gleich 8,4 Prozent in ein westdeutsches Landesparlament einzog. Nach einer Emnid-Umfrage der "Bild am Sonntag" würden auch im Saarland 13 Prozent die Partei um ihren ehemaligen Ministerpräsidenten Lafontaine (damals noch SPD) wählen. In Thüringen wären es 27 Prozent und im konservativen Hessen immerhin vier Prozent.mai, AP, dpa

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus