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Deutschland

RAF: Opfer und Ex-Terrorist diskutieren und Bundesanwältin prüft den Mordfall Buback neu

"Wie konntest du so weit gehen?"

Der Sohn des ermordeten Siegfried Buback stellte sich im Fernsehen der Diskussion mit dem Ex-Terroristen Peter-Jürgen Boock.

HAMBURG. Gestern Abend saßen sich Michael Buback und Peter-Jürgen Boock zum ersten Mal öffentlich gegenüber. In der ARD-Sendung "Das Opfer und der Terrorist" diskutierten die beiden gemeinsam mit "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust und NDR-Fernsehprogrammdirektor Volker Herres. Das Abendblatt dokumentiert Auszüge aus dem Gespräch:

  • Michael Buback auf die Frage, warum es so wichtig sei zu beantworten, wer von der RAF auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback - seinen Vater - geschossen hat: "Es ist so ein gravierendes und großes Verbrechen und ein so großer Verlust, dass wir es nicht hinnehmen können, dass man das pauschal von einem Team übernommen sieht. Darum möchte man möglichst genau wissen, um einen Weg zu einem inneren Frieden zu finden, wer wirklich der Schütze war - das ist schon eine besondere Tat."

  • Michael Buback auf die Frage, warum er sich auf ein Gespräch mit Peter-Jürgen Boock eingelassen habe: "Die Ermittlungsergebnisse, die mir bislang vorlagen, waren unbefriedigend. Ich hatte nur erklärt, ich möchte etwas erfahren, und dann rief Herr Boock an, und dann kann ich den Hörer nicht auflegen und sagen: ,Ich möchte nicht mit einem früheren Terroristen reden', weil es mir einfach wichtig ist."

  • Michael Buback über die erste Kontaktaufnahme Peter-Jürgen Boocks: "Es war natürlich eine für mich fast gespenstische Situation. Ich bin von einer Gastprofessur in Neuseeland zurückgekehrt, ich hatte innerhalb von zwei Tagen zwölf Stunden Zeitunterschied hinzunehmen, und dann ist am Abend plötzlich dieses Telefonat. Ich wusste kaum, was ich sagen wollte, es war eine besondere Situation, ich dachte: Es ist nun wirklich die Chance."
  • Peter-Jürgen Boock zu den Gefühlen, jetzt Michael Buback gegenüberzusitzen: "Es tut mir unendlich leid, was geschehen ist. Allein ich weiß, ich kann es nicht rückgängig machen."

  • Michael Buback zu Aussagen, eine Frau (Verena Becker?) habe auf dem Motorrad gesessen, möglicherweise geschossen: "Ich bitte um eine Erklärung, warum diese wichtigen Zeugenaussagen nicht im Urteil sind. Wenn ich da keine zufriedenstellende Auskunft bekomme, bricht für mich eine Welt zusammen."

  • Michael Buback zur Kritik von anderen Opfer-Angehörigen an der Teilnahme am Gespräch mit Peter-Jürgen Boock: "Es ist mir wichtig, das herauszufinden, und ich muss dabei auch schwierige und ungewöhnliche Wege gehen, wenn ich das wissen will. Und ich meine, dass es gut war, dass ich es getan habe, und ich hoffe, dass angesichts der Dinge, die sich jetzt ergeben, dass auch diejenigen, die daran gezweifelt haben, dass es ein guter Weg ist, . . . oder die mich jetzt vielleicht verspotten oder beschimpfen werden, dieses Risiko muss ich eingehen. Ich will eine bestimmte Information, und ich bin dieser Information jetzt näher. Ich weiß natürlich immer noch nicht, wer jetzt wirklich geschossen hat, aber ich habe jetzt einfach die Hoffnung, durch die Bewegung, die eingetreten ist, dass wir das erfahren."

  • Peter-Jürgen Boock zur Frage, wie er mit seiner Schuld lebe: "Ich glaube nicht, dass es da einen Schlusspunkt geben kann. Es ist noch jeden Tag die Auseinandersetzung auch mit mir selber: Wie konntest du dahin kommen, wie konntest du so weit gehen, wie konntest du solche Dinge tun? Es ist ein Zwiespalt. Weil ich weiß, warum ich beteiligt war. Ich weiß, was ich getan habe, das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, natürlich ist da inzwischen eine sehr große Distanz dazu da. Dass ich dieser Mensch einmal war und dass ich bereit war, so weit zu gehen. Das ist noch täglich die Auseinandersetzung mit mir, ohne dass ich glaube, dass das je beendet sein wird."HA

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