Die Fahndung dauerte nur eine Woche
Terroristen: Die Beweise gegen den 20-Jährigen Libanesen sind schon jetzt erdrückend. Auch wenn der zweite Gesuchte nun gefasst ist: Es bleiben noch viele Fragen offen . . .
Berlin/Karlsruhe. Das ging schnell: Innerhalb von weniger als einer Woche sind die beiden zuletzt meistgesuchten mutmaßlichen Terroristen den Sicherheitsbehörden ins Netz gegangen. Kaum waren sie öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben, schon konnten sie dingfest gemacht werden. Der erste am Sonnabend in Kiel, der zweite am Donnerstag in Tripoli im Libanon. Gemeinsam sollen die beiden 20 und 21 Jahre alten Verdächtigten vor dreieinhalb Wochen versucht haben, zwei Regionalzüge in die Luft zu sprengen.
Entwarnung geben die Ermittler aber nicht: Es ist völlig unklar, ob es sich bei dem Duo um Einzeltäter handelt.
Mit Fahndungsplakat, Haftbefehl und Interpol-Fahndung zogen sich die Schnüre um den zuletzt gesuchten 20-jährigen Jihad H. immer enger zusammen. "Seine Wohnung in Köln hatte er offensichtlich überstürzt aufgegeben", sagte Bundesanwalt Rainer Griesbaum in Karlsruhe. Auch die Flucht in die Heimat nutzte nichts: Er stellte sich in den Morgenstunden der Polizei. Die bislang gefundenen Beweismittel gegen den Mann dürften den Ermittlern schon reichen.
Trotz des raschen Fahndungserfolgs bleiben noch etliche Fragen offen.
Weitere Aufschlüsse erhofft sich die Bundesanwaltschaft von den ersten Vernehmungen von Jihad H. zu denen noch gestern Abend ein Bundesanwalt in den Libanon reisen wollte.
Der Terrorismusexperte Rolf Tophoven geht davon aus, dass den Behörden mit den beiden Festnahmen ein Fahndungserfolg gegen eine "Klein- oder Kleinstgruppe" gelungen ist. Dass sich Hamad den Behörden im nordlibanesischen Tripoli selbst stellte, wertete Tophoven als Beleg dafür, dass die beiden mutmaßlichen Kofferbomben-Attentäter offenbar nicht dem "harten Kern des militanten Extremismus" zuzurechnen seien.
"Top-Terroristen stellen sich nicht freiwillig", sagte Tophoven. Ein solches Vorgehen stütze vielmehr die These, dass es sich um einen "Individualtäter" handeln könne, der sich selbst radikalisiert habe. Die Bundesanwaltschaft verwies allerdings darauf, die Festgenommenen könnten durchaus einer Gruppierung angehören, die sich zu den Anschlägen nicht bekennt. Zugleich gab die Behörde zu bedenken, es gebe auch "Top-Terroristen, die sich im Laufe der Ermittlungen gestellt haben".
Die Bundesanwaltschaft vermittelte Zuversicht, dass sie den 20 Jahre alten Mann bald nach Deutschland holen kann. Auch Bundeskanzlerin Merkel rechnet mit einer problemlosen Auslieferung nach Deutschland. Sowohl Bundesanwaltschaft als auch Bundesregierung lobten die gute Zusammenarbeit mit den libanesischen Behörden, die auch den entscheidenden Tipp für die Festnahme des ersten Verdächtigten gegeben haben sollen.
Die nah gekommene terroristische Bedrohung und die raschen Fahndungserfolge haben die Debatte um eine Verschärfung der Sicherheitsgesetze weiter angeheizt. Vor allem Unionspolitiker machen Sicherheitslücken aus und fordern, sie zu schließen. Auf den Weg gebracht ist bereits eine Verlängerung der nach dem 11. September 2001 beschlossenen Anti-Terror-Gesetze, die zudem erweitert werden sollen. Im September wird wahrscheinlich die Einführung einer Anti-Terror-Datei für Polizei und Geheimdienste beschlossen. Die Videoüberwachung wird ausgeweitet und das Internet stärker kontrolliert.




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