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Deutschland

Berliner Initiative für die Opfer von 45 Mauer-Jahren

Berlin. Als die ersten Schüsse fallen, rennen Chris Gueffroy und sein Freund Christian G. auf den Streckmetallzaun zu. Deckung suchend laufen sie am Zaun entlang und versuchen vergeblich, sich gegenseitig hinüber zu helfen. Erneut werden die beiden beschossen, und Chris Gueffroy sinkt getroffen zu Boden. Der 20-Jährige stirbt innerhalb von Minuten. Die Schüsse auf Gueffroy und seinen Freund waren die letzten Todesschüsse an der Berliner Mauer im Februar 1989.

An diesem Sonntag wird mit Andachten und Kranzniederlegungen an den Bau der Berliner Mauer vor 45 Jahren erinnert. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wollen an der Mauer-Gedenkstätte Bernauer Straße Kränze für die Opfer niederlegen.

Allerdings ist bis heute die genaue Zahl der Mauertoten noch immer umstritten. Deshalb wurde im Ramen eines "Gesamtkonzepts zur Erinnerung an die Berliner Mauer" vom Senat ein Forschungsprojekt über die Todesopfer an der Berliner Mauer ins Leben gerufen. Im Zentrum des Kooperationsprojekts des Vereins Berliner Mauer und des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam steht die Erforschung der Lebensgeschichten und Todesumstände der Menschen, die zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer ums Leben kamen. Das Schicksal von Chris Gueffroy sowie Kurzbiografien anderer Todesopfer finden sich bereits auf der Internetseite: www.chronik-der-mauer.de. Der aktuelle Zwischenbericht des Forschungsprojekts schätzt die Zahl der Mauertoten auf 125. Doch auch diese Angabe ist umstritten. Nach Einschätzungen der privaten Arbeitsgemeinschaft "13. August" liegt die Zahl der Todesopfer bei 262. Das Forschungsprojekt des Senats läuft noch bis November 2007 und befasst sich unter anderem mit der Prüfung weiterer 81 Todes- und Verdachtsfälle. "Die Überprüfung erfolgt auf Grundlage aller einschlägigen Quellen. Dazu gehören: Stasi-Akten, Akten der DDR-Grenztruppen, Unterlagen der Polizei aus Ost und West, Presseberichterstattung, Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft im Zuge der Mauerschützenprozesse, Bestände der SED und DDR-Regierung und Zeitzeugenberichten", erklärte die Projektleiterin Maria Nooke.

Einen weiteren Teil des Gesamtkonzepts stellt die am letzten Freitag eröffnete Ausstellung zur Geschichte der Mauer am Checkpoint Charly dar. "Diese hat sich in den wenigen Tagen seit ihrer Eröffnung am vergangenen Freitag bereits zur erfolgreichsten Ausstellung in Berlin entwickelt", so Rainer Klemke aus dem Gedenkstättenreferat der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur. "Gleichzeitig steigen durch die Verweise innerhalb der Ausstellung auf weitere Mauergedenkorte auch dort die Besucherzahlen. Zu denen zählt auch das Brandenburger Tor, als nationaler Ort der deutschen Teilung und Wiedervereinigung. Der Checkpoint Charly verdeutlicht die internationale Dimension der deutsch-deutschen Teilung. Hier standen sich die beiden Weltmächte direkt mit Panzern gegenüber", so Klemke weiter. In der Niederkirchnerstraße zeigt sich die Vorgeschichte vom Kaiserreich bis hin zu der Regierungszentrale der DDR mit der erhaltenen Mauer davor. "Der künstlerische Umgang mit der Mauer nach der Wiedervereinigung wird in der East Side Gallery gezeigt. Damit decken wir die verschiedenen Teile des Mauergedenkens entlang des Mauerweges ab", erläutert Klemke gegenüber dem Abendblatt.

 

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