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Deutschland

Türken sollen deutsche Hymne auf türkisch singen können

BERLIN. Die Einbürgerungsdebatte ist um eine Facette reicher. Geht es nach dem Willen des Grünenpolitikers Christian Ströbele, singen türkischstämmige Mitbürger das Deutschlandlied in Zukunft in ihrer Heimatsprache. "Ich würde es als Zeichen der Integration werten, wenn Zuwanderer die dritte Strophe auf türkisch singen könnten", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen gestern gegenüber der Berliner Tageszeitung "B.Z.". Eine derartige Variante wäre ein Symbol für die Vielsprachigkeit Deutschlands.

Vor dem Hintergrund der momentan laufenden Debatte um eine spanische Version der US-Nationalhymne stieß der Vorschlag des Politikers auf ein geteiltes Echo. So bewertete Ströbeles Parteifreundin, die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast, den Vorstoß als verspäteten Aprilscherz. Auch Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach lehnte den Plan als "falsches Signal an Immigranten" vehement ab. "Das Erlernen der deutschen Sprache in Schrift und Wort gehört zu den Schlüsselqualifikationen bei der Einbürgerung schlechthin", so Bosbach. Noch schärfer reagierte die CSU-Bundestagsabgeordnete Renate Blank. Sie sprach in Berlin von einer "unerträglichen Provokation", mit der sich Ströbele aus der Realität in diesem Land verabschiedet und lächerlich gemacht habe.

Unterstützung bekommt der Grünenpolitiker dagegen aus der FDP. "Das wäre eine interessante Möglichkeit für Menschen anderer Herkunft und Sprache, die deutsche Kultur zu verstehen", meinte Sybille Laurischk, Fraktionssprecherin für Integration und Migration. So könne man Grundwerte der deutschen Demokratie auch Menschen mit geringen deutschen Sprachkenntnissen nahebringen.

Unterschiedliche Auffassungen kursieren unterdessen auch über den Stand zur Neuregelung der Einbürgerung von Ausländern. Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) dementierte gestern Berichte über einen angeblichen Kompromiß im Streit um schärfere Einbürgerungsregeln. "Es gibt noch keine Einigung, und ich habe die Hand dafür auch noch nicht gehoben", sagte Stegner in Kiel. Er widersprach damit Äußerungen seines bayrischen Amtskollegen, dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Günther Beckstein (CSU). Dieser hatte in einem Zeitungsinterview von bundesweit einheitlichen Einbürgerungskursen und Richtlinien gesprochen, auf die sich die Ministerkollegen am Wochenende geeinigt hätten.

Die Innenminister würden erst am Donnerstag oder Freitag während ihrer Konferenz in Garmisch-Partenkirchen abschließend zu dem Thema Stellung nehmen, sagte Stegner. Er bekräftigte seine Forderungen für eine Lösung: "Höhere Hürden für Einbürgerungen mache ich nur dann mit, wenn auch Fortschritte bei der Integration von Migranten beschlossen werden."

Der Interkulturelle Rat in Deutschland warnte vor weiteren Hürden bei der Immigrationspolitik. Die Zahl der Einbürgerungen sei zwischen 2000 und 2004 um rund 59 000 auf nur noch 127 153 gesunken. Der Rat appellierte an die Innenminister, keine Beschlüsse zu fassen, die zu einem weiteren Rückgang der Einbürgerungsanträge führen könnten.hpcli, HA

 

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