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Deutschland

Die Mailbox nahm die "Nigger"-Rufe auf

Überfall: Nach dem Übergriff in Potsdam ermittelt der Generalbundesanwalt. Der zusammengeschlagene Familienvater schwebt immer noch in Lebensgefahr.

KARLSRUHE/POTSDAM. Nach dem fremdenfeindlichen Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam hat sich Generalbundesanwalt Kay Nehm in die Ermittlungen wegen Mordversuchs eingeschaltet. Die Tat sei geeignet, die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sagte gestern ein Sprecher der obersten deutschen Ermittlungsbehörde in Karlsruhe. Die Sonderkommission der Brandenburger Polizei hatte zunächst keine heiße Spur der beiden mutmaßlichen Täter. Auf der Intensivstation des Potsdamer Krankenhauses kämpften die Ärzte weiter um das Leben des 37jährigen Opfers.

Die Polizei sicherte am Tatort zahlreiche Spuren, darunter Finger- und Schuhabdrücke sowie Hautpartikel der beiden mutmaßlichen Täter. Zudem wird ein Mailbox-Mitschnitt zur Veröffentlichung technisch aufbereitet. Das Opfer hatte die Handy-Mailbox seiner Frau unmittelbar vor der Tat angewählt, so daß das Verbrechen zum Teil aufgezeichnet wurde. Die Täter haben den Vater zweier Kinder als "Nigger" und "blödes Schwein" beschimpft. Die Ermittler hoffen, daß jemand die Stimmen erkennt.

In der Ernst-von-Bergmann-Klinik wurde der deutsche Wasserbau-Ingenieur äthiopischer Herkunft einer Notoperation unterzogen. Nach Angaben der Ärzte litt er an schweren Schädel- und Hirnverletzungen. Der Mann soll deshalb noch einige Tage im künstlichen Koma gehalten werden. Klinikdirektor Hubertus Wenisch bezeichnete seinen Zustand als stabil. Solange der Patient jedoch noch künstlich beatmet werden müsse, sei er nicht außer Lebensgefahr.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) reagierte mit Bestürzung auf die Tat. Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sagte, die Stadt stehe unter Schock. Potsdams Image habe einen nachhaltigen Schaden erlitten. Als unmittelbare Reaktion habe ein für den Herbst geplanter Hausärztekongreß seine Zusammenkunft in der Stadt storniert.

Jakobs sprach von einem in seiner Brutalität beispiellosen Fall in der brandenburgischen Landeshauptstadt. Das Sicherheitsgefühl nicht nur der in Potsdam lebenden Ausländer werde durch das Verbrechen beeinträchtigt. Bisher habe sich die Stadt dadurch ausgezeichnet, daß sich auch Menschen mit anderer Hautfarbe sicher bewegen konnten. Zugleich gebe es jedoch eine breite Anteilnahme von Menschen am Schicksal des Opfers und Hilfsangebote für dessen Familie. Rund 350 Menschen hatten spontan am Ostermontag in der Potsdamer Innenstadt gegen den rassistischen Übergriff demonstriert.

Nach Angaben des Potsdamer Vereins "Opferperspektive" ist in Brandenburg alltäglicher Rassismus weiterhin ein großes Problem. "Diese Pöbeleien und Mißachtungen machen das Leben der Ausländer noch schwieriger, als es durch ihren rechtlichen Status schon ist", sagte Ole Weidmann von der Initiative.fis, HA

 

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