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Deutschland

Gewalt an Schulen: Kommt die Lösung aus Hamburg?

Polizeieinsatz: Vorwürfe an Politiker. Nach dem Hilferuf von Berliner Lehrern streiten Experten über die Zukunft der Hauptschulen. In Hamburg zeigen Modellprojekte erste Erfolge.

Berlin/Hamburg. Nach dem dramatischen Hilferuf von Lehrern wegen der eskalierenden Gewalt an der Berliner Rütli-Hauptschule ist bundesweit eine heftige Diskussion über die Hauptschule und die Integration entbrannt. Zugleich geriet die Berliner Schulbehörde in die Kritik. Zum positiven Modell könnte dagegen die Entwicklung in Hamburg werden. Die Hansestadt versucht, durch Schulungen und Prävention Gewaltausbrüche wie in Berlin-Neukölln zu verhindern. Offenbar mit Erfolg.

Die Lehrer der Rütli-Schule hatten sich wegen der nicht mehr beherrschbaren Gewalt mit einem Brandbrief an die Schulverwaltung gewandt. 80 Prozent der Schüler stammen aus Migrantenfamilien. Am Freitag wurde der Unterricht wieder aufgenommen, allerdings unter Polizeischutz. Auf die geplanten Taschenkontrollen zum Aufspüren von Waffen wurde zunächst verzichtet.

Berlins Bildungssenator Klaus Böger (SPD) ging mit seiner eigenen Behörde hart ins Gericht: "Diese Geschichte ist mir durch ein Versagen zu spät mitgeteilt worden." Er habe erst am Donnerstag vom Hilferuf des Lehrerkollegiums erfahren. Die Forderung der Lehrer, die Rütli-Schule aufzulösen, lehnte Böger allerdings ab.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warf dem rot-roten Senat in Berlin Nachlässigkeit in der Integrationspolitik und mangelnde Unterstützung der Lehrer vor. Es sei aber falsch, die Schule jetzt einfach aufzugeben.

Die Frage nach dem Sinn von Hauptschulen wurde erneut diskutiert. Sowohl der Kriminologe Christian Pfeiffer als auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie der Philologenverband sprachen sich für eine Abschaffung dieser Schulform aus. Ähnlich äußerte sich auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (beide CDU) forderten eine verstärkte Integration von Migrantenfamilien.

Frühzeitige Schulung und Programme zur konsequenten Vermeidung von Gewalt sind die Mittel, mit denen Hamburg versucht, Entwicklungen wie an der Rütli-Schule zu verhindern. So greift an der Schule Bunatwiete/Maretstraße in Harburg, die als vorbildlich gilt, ein Maßnahmenbündel von Klassenkonferenzen mit Beteiligung der Eltern über ausgebildete Streitschlichter bis hin zu einem "Täter-Opfer-Ausgleich". Nach Auffassung von Schulsenatorin Alexandra Dinges-Dierig trägt auch die Arbeit der regionalen Beratungs- und Unterstützungsstellen Früchte: "Probleme mit Gewaltvorfällen sind deshalb bisher nirgendwo derart ausgeufert", sagte die Senatorin dem Abendblatt.il, HA

 

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