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Deutschland

"Faustlos"-Programm schon für Grundschüler

HAMBURG. In Hamburg gibt es ein bundesweit einzigartiges Programm zur Gewaltprävention. Sieben Mitarbeiter und Leiter Christian Böhm von der Beratungsstelle für Gewaltprävention leisten Soforthilfe, bieten schnelles Krisenmanagement, wenn an einer Schule in der Hansestadt Gewalt eskaliert. Darüber hinaus bieten sie Fortbildungsprogramme an, an denen seit Gründung der Beratungsstelle im Jahr 2000 jedes Jahr bis zu 800 Lehrer teilnehmen.

Auch für Hausmeister gibt es Kurse, denn auch sie müssen sich mit Gewalt auf den Schulhöfen auseinandersetzen. Besonders erfolgreich ist die sogenannte System-Beratung. "Wenn eine Schule zum Gewalt-Schwerpunkt wird, beraten wir gleich das gesamte Kollegium und suchen Lösungen", so Böhm. Somit sei in Hamburg dafür gesorgt, daß eine Situation an einer Schule nicht so eskalieren könne wie in Berlin.

Die Prävention beginnt in Hamburg früh: An 50 Schulen, die im Einzugsgebiet sozialer Brennpunkte liegen, durchlaufen bereits die Grundschüler der Klassen 1 bis 3 das "Faustlos"-Programm. Unterrichtsstunden, in denen schon die Kleinen lernen sollen, Konflikte ohne Schläge zu lösen. "Dazu zeigen wir Folien, auf denen Konfliktsituationen dargestellt werden, und üben mit den Kindern das richtige gewaltfreie Verhalten in schwierigen Situationen", so Christian Böhm.

Die Beratungsstelle für Gewalt arbeitet eng mit "Rebus" (Regionale Beratungs- und Unterstützungsstellen) von der Schulbehörde zusammen, einer Stelle mit rund 160 Mitarbeitern an insgesamt zehn Orten im gesamten Stadtgebiet. Rebus berät im Auftrag der Schulbehörde Lehrer, Schüler und Familien, vor allem bei allgemeinen sozialen Problemen oder Lese- und Schreibschwächen. "Rebus schaltet uns ein und wir sie, wenn wir merken, daß die jeweils andere Stelle besser helfen kann", so Böhm.

Daß die Gewalt auch an Hamburgs Schulen in den letzten Jahren zugenommen hat, will Böhn so deutlich nicht sagen. "Aber wenn man sieht, wie in der polizeilichen Kriminalstatistik allein die Zahl der Körperverletzungen unter Jugendlichen im vergangenen Jahr zugenommen hat, sagt das einiges aus." Er sieht die Situation an den Schulen in Sachen Gewalt insgesamt als "relativ stabil - aber auf erhöhtem Niveau". In der Beratungsstelle seien 2005 für insgesamt 411 Schüler Akten angelegt worden, die als gewalttätig aufgefallen seien.kj

 

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