Vogelgrippe erfaßt Niedersachsen
H5N1-Virus infizierte Graugans gefunden. Geflügelverband für Abschuß streunender Katzen. Berlin verschärft Schutzmaßnahmen.
Walsrode. Im geflügelreichsten Land Deutschlands ist die Vogelgrippe ausgebrochen: In Niedersachsen wurde am Wochenende eine mit dem H5N1-Virus infizierte Graugans entdeckt.
Damit sind jetzt sechs Bundesländer von der Tierseuche betroffen. Neue bestätigte Fälle wurden aus Bayern, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gemeldet. In den Vogelgrippe-Gebieten traten am Sonnabend besondere Schutzmaßnahmen in Kraft.
Der Vogel sei am vergangenen Sonntag auf einem Acker in der Ortschaft Düshorn im Landkreis Soltau-Fallingbostel aufgeschlagen, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Hannover, Gert Hahne. Es werde vermutet, daß er mit der hochpathogenen Variante des Erregers infiziert gewesen sei. Die endgültige Bestätigung stehe aber noch aus. Die Gans sei bereits nach einer Stunde aufgesammelt worden, Menschen oder andere Tiere seien mit dem toten Vogel nicht in Kontakt gekommen. Außerdem gebe es in der Gegend keine gewerblichen Geflügelbetriebe.
In Niedersachsen gibt es 72 Millionen Tiere in 22 000 Geflügelhöfen. Das sind 60 Prozent des deutschen Bestands.
Zwei neue Vogelgrippe-Fälle wurden in Schleswig-Holstein registriert, einer im bayerischen Straubing und sieben auf Rügen, wie die jeweiligen Landwirtschaftsminister mitteilten. Bei zahlreichen tot aufgefundenen Katzen dagegen wurde das gefährliche Virus nicht nachgewiesen. Die in der vergangenen Woche auf Rügen entdeckte, mit H5N1 infizierte Katze blieb damit bislang ein Einzelfall. Dennoch forderte der Präsident des Geflügelwirtschaftsverbands Niedersachsen, Wilhelm Hoffrogge, den Abschuß streunender Katzen.
Seit Sonnabend gelten für Gebiete mit Vogelgrippe weitere Schutzmaßnahmen: Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium mitteilte, müssen Hunde in den Sperrzonen und Überwachungszonen angeleint werden. Katzen dürfen nicht frei herumlaufen. Sperrzonen gelten in einem Umkreis von drei Kilometern um Vogelgrippe-Fundorte, Beobachtungszonen in einem Umkreis von zehn Kilometern.
Haustierhalter sollten Hygiene-Grundregeln im Umgang mit ihren Tieren genau beachten. Außerhalb der Sperr- und Überwachungszonen werde Haltern empfohlen, die Tiere gut zu beobachten und bei Symptomen oder auffälligem Verhalten einen Tierarzt aufzusuchen.
In ganz Europa ist die Vogelgrippe weiter auf dem Vormarsch. Polen hat gestern die ersten beiden Fälle von Vogelgrippe im Land bestätigt. Bei zwei Wildschwänen wurde das Virus H5 im Zentrum der nordpolnischen Stadt Torun festgestellt.
In den Schweizer Kantonen Thurgau und Zürich tauchten gestern vier weitere Fälle von Vogelgrippe auf. Das H5-Virus wurde bei zwei Enten in Steckborn sowie je einem Bleßhuhn in den Gemeinden Diessenhofen und Feuerthalen nachgewiesen. Die Zahl der Vogelgrippe-Fälle in der Schweiz erhöht sich damit auf elf. Tests, ob es sich um die gefährliche Virusvariante handelt, laufen noch.



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