Vogelgrippe verbreitet sich immer schneller
Seuchenabwehr: Wieder neue Funde infizierter Tiere - Seehofer fordert mehr Kompetenzen. Paris impft. Briten und Deutsche dagegen. Bestätigte Fälle in Niger, Georgien und Bosnien.
BERLIN/PARIS. Das gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 hat sich im Februar so rasant verbreitet wie nie zuvor. Seit Monatsbeginn meldeten weltweit 16 Länder den ersten Ausbruch der Tierkrankheit, davon 10 in Europa, wie aus Daten der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) in Paris hervorgeht. Allein gestern bestätigte sich der Vogelgrippeverdacht bei Tieren in Niger, Georgien und Bosnien-Herzegowina. Im gesamten Jahr 2004 waren nur acht Länder in Asien sowie die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong von der Tierseuche betroffen. 2005 waren sieben weitere Länder hinzugekommen. Im Januar 2006 war zudem eine junge Frau im Irak an dem Erreger gestorben.
Seit dem ersten Nachweis des Vogelgrippevirus H5N1 im Jahre 1959 in Schottland hat es nach Angaben der OIE mindestens 20 Epidemien verschiedener Geflügelpesterreger bei Nutztieren gegeben. Dafür seien auch hochinfektiöse Virentypen wie H7N3, H5N2 oder H7N7 verantwortlich gewesen. Keine Seuche habe sich aber so schnell über so viele Länder ausgebreitet wie derzeit das H5N1-Virus.
Frankreich hat gestern bei Nutzgeflügel mit Massenimpfungen begonnen. Die Maßnahme ist in Europa umstritten. Wie in Großbritannien wird auch in Deutschland kritisiert, daß nicht zwischen geimpften und infiziertem Geflügel unterschieden werden kann. Damit kann auch die Ausbreitung der Tierseuche nicht mehr sicher verfolgt werden.
In Deutschland hat sich der Streit um die Zuständigkeit bei der Bekämpfung der Vogelgrippe verschärft. Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) bekräftigte seinen Ruf nach mehr Bundeskompetenzen und stieß damit bei Ländern und Kommunen auf schroffe Ablehnung. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm kündigte in Berlin Überlegungen über ein besseres Krisenmanagement ohne Eingriff in die Länderhoheit an. Überraschende Unterstützung erhielt Seehofer von der selbst in die Kritik geratenen Rügener Landrätin Kerstin Kassner (Linkspartei), die bundeseinheitliche Standards bei der Seuchenbekämpfung forderte.
In Schleswig-Holstein hat sich der Verdacht auf neue Vogelgrippefälle noch nicht vollständig geklärt. Offen ist noch das Test-Ergebnis bei einem Schwan aus Ostholstein. Bislang waren zwei Stockenten positiv auf die Vogelgrippe getestet worden.
Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) wies die Forderung nach Länderfusionen zurück. Die Größe der Länder spiele in der Praxis keine Rolle, sagte Ehlen bei einem Treffen mit seinem schleswig-holsteinischen Kollegen Christian von Boetticher (CDU). Kiel habe sehr gut reagiert, Schwerin nach ersten Schwierigkeiten auch.




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