Weltmeister der Pedanterie
Kommentar: Die Fifa und die WM-Werbung
Nürnberger dürfen keinen Lebkuchen verteilen, Mercedes-Busse werden mit dem Schriftzug eines koreanischen Autofabrikanten überklebt, an Geldautomaten werden Kreditkarten-Logos verdeckt, das HSV-Museum muß jeden zweiten Tag geschlossen bleiben: Es ist schon skurril, welche Blüten das Regiment des Fußball-Weltverbandes Fifa im Rahmen der WM treibt.
Grundsätzlich ist es richtig, die Ansprüche der offiziellen Großsponsoren zu schützen. Diese machen mit ihren Millionenzahlungen Ballspiele im großen Stil erst möglich und haben ein teuer erworbenes Recht, vor Trittbrettfahrern geschützt zu werden. Ohne großzügige Werbepartner könnten kleinere Länder kaum am Wettstreit der reichen Nationen teilhaben, könnte die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika nicht angepfiffen werden. Denn ein erheblicher Teil der Erlöse wird weltweit umgelegt.
Die pedantische Auslegung der Verträge jedoch führt in letzter Konsequenz zu Kopfschütteln. Praktisch jede Kleinigkeit ist genehmigungspflichtig; während des Turniers selbst werden 80 Inspektoren kontrollierend durch die zwölf WM-Städte streifen. Während der WM 2002 in Japan und Südkorea ließ die Fifa in 88 Ländern mehr als 3,1 Millionen Artikel konfiszieren.
Firmen, die in ihrer Stadt kostenpflichtig mitspielen möchten, werden verunsichert. Kein Wunder, daß sich auch Hamburgs Wirtschaft ziert: Der Sponsoren-Klub der Hansestadt hat nur wenige zahlende Mitglieder, viele Attraktionen müssen stärker als gehofft subventioniert werden. Nur weil es dem Fußball-Weltverband an jener Tugend mangelt, welche auf dem Rasen Erfolg bringt: die Leichtigkeit und Raffinesse des Spiels - unter strikter Anwendung des Regelwerks.



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