Die drei von der großen Koalition
Unterschrieben Der Vertrag steht, die Zeremonie war kurz und Schnörkellos. Man ist sich nähergekommen in den neuen Regierungslagern, auch persönlich.
Berlin. Die Fremdel-Phase scheint vorüber, die "neue Freundschaft" wächst. Als am Freitag "Rote" und "Schwarze" ins Paul-Löbe-Haus neben dem Reichtagsgebäude strömten, um der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages durch ihre Spitzenvertreter beizuwohnen, fanden auch solche ins Gespräch, die früher gern schon mal die Straßenseite gewechselt hätten, wenn sie einander ansichtig wurden.
So plauderte der bayerische Sozialdemokrat und Poltergeist Ludwig Stiegler angeregt mit CSU-Generalsekretär Markus Söder. "Streit verbindet", gestand Stiegler fröhlich und Söder erwiderte: "Das wird sich auch nicht grundsätzlich ändern." Die künftigen Bundesminister, Parlamentarier und Mitarbeiter waren zum kurzen Zeremoniell gekommen, Noch-Bundeskanzler Gerhard Schröder allerdings nicht.
Vorn an der Glaswand zur Spree war auf einer dezent blauen Stellwand in weißer Schrift der Leitgedanke des Koalitionsvertrages zu lesen. "Gemeinsam für Deutschland - mit Mut und Menschlichkeit". Auf das Motto hatten sich die Emissäre von Union und SPD in irgendeiner Verhandlungsrunde spät nach Mitternacht verständigt. Der Satz schien allen weit genug entfernt von allen Wahlkampfparolen und deshalb jeder Seite akzeptabel.
Drei Mappen in dunkelblauem Leinen lagen parat, darin gedruckt in zartem Beige der 190 Seiten starke Koalitionsvertrag. Für die SPD unterzeichneten Parteichef Matthias Platzeck, der künftige Vizekanzler Franz Müntefering und zur Überraschung vieler die neue Vize-Parteivorsitzende Elke Ferner. Das galt als Zeichen an den linken Parteiflügel, zu dem Ferner zählt. Und gewispert wurde auch, die Sozialdemokraten hätten unbedingt eine Frau dabei haben wollen.
Für die Union unterzeichneten die beiden Parteivorsitzenden von CDU und CSU, also die künftige Kanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber sowie CSU-Landesgruppenchef Michael Glos. Der künftige Wirtschaftsminister ist nämlich auch erster stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Und Koalitions-Vertragspartner auf Seiten der Union ist die gemeinsame CDU/CSU-Bundestagsfraktion, auf Seiten der SPD dagegen die Partei.
Vorne in der ersten Sitzreihe verfolgte auch Olaf Scholz die Unterzeichnung des Vertrages. Scholz spielte bei den Verhandlungen hinter den Kulissen nach Aussagen der Beteiligten eine zentrale Rolle in der gemeinsamen Steuerungsgruppe und wird für sein Geschick und für "professionelle Verhandlungsführung" von Vertretern aller drei Koalitionsparteien hoch gelobt.
Nach dem rund 15minütigen Zeremoniell gab es für die gut 200 Gäste einen kurzen Empfang mit Sekt. Platzeck und eine gutgelaunte Merkel begnügten sich mit Mineralwasser. Lachs- und Roastbeefhäppchen wurden gereicht, dazu Mini-Frühlingsrollen. Binnen einer Stunde war alles vorbei - und Merkel hatte wieder Hunger. Im Bundestagsrestaurant tafelte die künftige Bundeskanzlerin und plauderte dabei konzentriert mit ihrer Büroleiterin und engsten Vertrauten Beate Baumann.




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