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Deutschland

Grundschulen: Jungen lesen wenig und sind schreibfaul

DORTMUND. Mädchen sind schon in der Grundschule besser in Deutsch, dafür haben die Jungen in Mathematik die Nase vorn. Das ergab der Schüler-Vergleichstest IGLU, wie der wissenschaftliche Leiter der Studie, Wilfried Bos, gestern berichtete. Laut der Grundschul-Untersuchung wenden Mädchen deutlich mehr Zeit dafür auf, zu ihrem Vergnügen zu lesen. Während sich Mädchen mit Geschichten und Erklärbüchern beschäftigten, seien bei Jungen Comics am beliebtesten.

"Doch Jungen sind nicht nur schlechter im Lesen, sondern auch schreibfaul", sagte Bos. Aber nicht nur das mache den Jungen zu schaffen. Selbst bei gleichen Leistungen würden die Mädchen besser benotet, stellte der Bildungsforscher fest. Offenbar würden Mädchen für ihr Wohlverhalten oder ihre Angepasstheit mit besseren Noten belohnt, sagte Bos.

Beim IGLU-Nationen-Ranking, das bereits 2003 veröffentlicht worden war, hatte Deutschland bei der Lesekompetenz den elften Platz belegt. Deutsche Grundschüler seien damit "durchaus auf Augenhöhe mit Kindern aus anderen europäischen Ländern", sagte Bos. An der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung hatten Viertklässler aus 35 Staaten teilgenommen.

Ein weiteres Ergebnis von IGLU: Viertklässlerinnen sind im Schnitt deutlich besser in ihre Schule integriert und fühlen sich wohler als ihre männlichen Klassenkameraden. Schlechte Noten erhielten die deutschen Grundschullehrer in punkto Kooperation: "In fast allen anderen Ländern arbeiten Lehrer deutlich besser zusammen. Da wird sich noch einiges ändern müssen."

Die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer erklärte, das eigentliche Problem der Grundschulen sei die Tatsache, daß viele Kinder nicht die Empfehlungen für die weiterführenden Schulen erhielten, die ihren Schulleistungen entsprächen. "Kinder aus bildungsarmen Elternhäusern und aus Migrationsfamilien werden oft auf niedrigere Schulformen geschickt", sagte Demmer. Dies könne man aber nicht den Grundschullehrerinnen und -lehrern zum Vorwurf machen, die dabei vielmehr aus Sorge um die Kinder handelten. Die international einmalig frühe Aufteilung in unterschiedlich anspruchsvollen Schulformen ist laut Demmer das eigentliche Problem. Die meisten Grundschullehrerinnen und -lehrer wollten den Kindern Frustrationen und Kränkungen ersparen.

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ap

 

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