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Deutschland

In Bayern lernen Schüler schneller

Leistungsgefälle: Studie über Stärken und Schwächen von 15jährigen. Leistungsunterschiede sind stark geprägt durch die soziale Umgebung und die Art der besuchten Schule.

Berlin. "Die Chancen von 15jährigen, eine hohe mathematische Kompetenz zu erwerben, sind abhängig von dem Bundesland, in dem sie eine Schule besuchen", sagt Pisa-Koordinator Manfred Prenzel. Die Unterschiede zwischen dem Wissen, das an den Schulen von Kiel bis München vermittelt wird, sind groß. So hat ein 15jähriger, der in Bremen zum Gymnasium geht, gegenüber einem Gleichaltrigen in Bayern in Mathematik einen Lernrückstand von einem Jahr. Das geht aus der neuen Pisa-Studie hervor.

Ein Grund hierfür ist nach den gestern präsentierten Ergebnissen des Ländervergleichs die Vielfalt der Schulsysteme. Lediglich Gymnasien gibt es in allen Ländern. Sie werden von einem Drittel der 15jährigen besucht. Daneben bieten die Länder Real-, Haupt-, Mittel- oder Integrierte Gesamtschulen an - in ganz unterschiedlichen Variationen und Qualitäten.

Die Schulen sind der Studie zufolge ganz unterschiedlich aktiv und problembelastet - was Einfluß auf die Leistungen der Schüler hat. So beklagen beispielsweise in Bremen 82 von 100 Schulen mangelnde materielle und personelle Ressourcen sowie Probleme mit der Schülerschaft, in Bayern sind dies nur 52 von 99 Schulen. Die Schulen im Süden sind auch aktiver, nutzen ihre Handlungsspielräume stärker aus als die Lehranstalten in Bremen.

Ein weiterer Grund für die Unterschiede sind Wirtschaftsstärke und Bevölkerungsdichte. Mit einem Anstieg der Sozialhilfeempfänger um ein Prozent geht eine deutlich niedrigere Leistung in den Schulen des zugehörigen Gebiets einher. Ähnliche Effekte sind laut Studie bei der regionalen Arbeitslosigkeit zu beobachten: Je höher diese ist, desto geringer sind die Leistungen der Schüler.

In keinem anderem Land ist laut Pisa-Studie die Chance, gute Bildung zu bekommen, so stark von der sozialen Herkunft abhängig wie in Deutschland. Kinder aus wirtschaftlich gut gestellten Familien haben eine sechsmal höhere Chance als diejenigen, die aus sozial schwächeren Schichten kommen. Am wenigsten hat die soziale Herkunft in Bayern, Sachsen und Thüringen mit dem Erwerb von Bildung zu tun, am meisten in Bremen, aber auch in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Die Anteile von leistungsschwachen Schülern sind mit zwölf bis 30 Prozent in allen Ländern zu hoch. Der internationale Vergleich zeige, daß dieser Anteil sehr viel kleiner ausfallen könnte, beispielsweise durch die frühzeitige und individuelle Förderung dieser Schüler, erklärt Prenzel. Die Befunde wiesen darauf hin, daß sehr gut abschneidende Länder relativ kleine Anteile von gering gebildeten Jugendlichen hätten. "Ohne deutliche Verbesserung im unteren Leistungsbereich wird sich kaum ein Land im internationalen Vergleich deutlich besser positionieren können", sagt Bildungsexperte Prenzel.

Große Unterschiede weisen die Länder auch beim Thema Sitzenbleiben auf. Es habe sich gezeigt, daß das Wiederholen einer Klasse kaum zu Kompetenzsteigerung führe, sagt Prenzel. Trotzdem sehen viele Schulen diese - offenbar nutzlose - Maßnahme als geeignet an. Allerdings gibt es zwischen den Ländern auch hier erhebliche Unterschiede: Während in Brandenburg lediglich 20,3 Prozent der Jugendlichen eine "verzögerte Schullaufbahn" erleben, sind dies in Schleswig-Holstein 47,4 Prozent. Bremen liegt auch hier mit knapp 38 Prozent über Bayern (33,4 Prozent).

Zur Verbesserung des deutschen Bildungssystems gibt es viele Vorschläge aus allen Parteien und von vielen Experten. So erklärt Noch-Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD): Die Pisa-Studie zeige, daß es weiterhin dringenden Handlungsbedarf im Bildungswesen gebe. "Nach meiner festen Überzeugung können Bund und Länder dies nur gemeinsam schaffen." Und die Grünen-Chefin Claudia Roth sagte: "Die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern verdeutlichen auch, daß wir zukünftig nicht weniger, sondern mehr Kooperation zwischen Bund und Ländern benötigen." Die Studie sei eine "schallende Ohrfeige für unser Bildungssystem".ap

 

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