Hamburg: CDU-Vorstoß zur Abschaffung der Hauptschule
Pisa-Test: Viele Kinder ohne Chance auf einen Abschluß. Vorbild Sachsen. Unterstützung durch Senatorin. In Zukunft nur noch Gymnasien und Realschulen?
Hamburg. Hamburg zieht offenbar Konsequenzen aus den für die Hansestadt schlechten Ergebnissen der neuen Pisa-Bundesländerstudie, die gestern vorgestellt wurde. Der CDU-Bildungsexperte und Bürgerschaftsabgeordnete Robert Heinemann hält das sächsische Schulmodell für übertragbar auf Hamburg. In Sachsen, einem der Aufsteiger der aktuellen Pisa-Ländervergleichsstudie, gibt es in den Klassen fünf bis zehn nur Gymnasien und die sogenannte Regel- oder Mittelschule. Das wäre das Aus für die Hauptschule als eigenständige Schulform. "Wir müssen uns in der Tat fragen, ob unser Nebeneinander von fünf Systemen richtig ist", sagte Heinemann im Abendblatt-Interview.
Derzeit können die Schüler zwischen Haupt-, Realschule, integrierter Haupt- und Realschule, Gymnasium und Gesamtschule wählen. "Eine Zweigliedrigkeit, wie etwa in Sachsen, wäre vorstellbar, um einerseits die Leistungsschwachen besser zu fördern und andererseits die Leistungsstarken weiter zu unterstützen", sagte Hamburgs Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig (CDU).
Heinemann hat der Opposition von SPD und GAL Gespräche über die neue Schulstruktur angeboten. "Mein Wunsch ist, das ideologische Kriegsbeil der vergangenen Jahrzehnte im Interesse der Sache zu begraben." SPD und GAL reagierten auf das Angebot positiv.
Ein zentraler Befund der Pisa-Studie für das Hamburger Schulsystem ist, daß die so genannte Risikogruppe von Schülern mit geringen Chancen auf einen Schulabschluß und Ausbildungsplatz besonders hoch ist.
Auch bundesweit haben die neuen Länderergebnisse für eine muntere Debatte über Schulsysteme und Bildungsreformen geführt. Denn die Schulleistungen der deutschen 15jährigen haben sich gegenüber dem ersten Pisa-Ländervergleich im Jahr 2000 zwar verbessert, doch das war auch schon die gute Nachricht. Als alarmierend gelten weiter der hohe Anteil schlechter Schüler insgesamt, der gravierende Leistungsunterschied zwischen den Ländern sowie die Bedeutung der sozialen Herkunft für die Chance auf gute Bildung.
Die Befunde ließen erkennen, daß die Elternhäuser eine bedeutsame Rolle spielten, heißt es in der Studie. "Dies bedeutet, daß Potentiale und Talente übersehen oder nicht ausreichend gefördert werden."
In Zahlen ausgedrückt: Im Bundesschnitt hat ein 15jähriger aus wohlhabendem Elternhaus eine viermal größere Chance auf das Abitur als ein Gleichaltriger aus ärmerem Elternhaus. In Bayern heißt das Verhältnis sogar 6,7 zu eins.
Im Leistungsvergleich der Schüler schnitt Bayern aber wie schon beim ersten Bundesländervergleich wieder am besten ab: Ein 15 Jahre alter Gymnasiast hat dort etwa ein Schuljahr Vorsprung vor den Gleichaltrigen aus dem Schlußlicht Bremen.




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