Feinstaub - Hamburg hat zu wenig gemeldet
Computerpanne: EU-Grenzwert viel häufiger überschritten als bisher bekannt. Aber kein Fahrverbot geplant.
Hamburg/Berlin. Durch eine Übermittlungspanne hat Hamburg über Monate zu geringe Feinstaub-Konzentrationen an das Umweltbundesamt in Berlin geschickt. Dies bestätigte gestern der Sprecher der Umweltbehörde, Volker Dumann, dem Hamburger Abendblatt. Er gab sich gleichzeitig zuversichtlich, daß die Stadt den von der EU festgelegten zulässigen Jahreshöchstsatz nicht überschreiten werde.
Doch selbst wenn dies der Fall sein sollte, drohen in Hamburg offenbar keine Fahrverbote. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach sich gestern generell gegen Fahrverbote aus. Die Autoindustrie arbeitet unterdessen daran, immer mehr Dieselfahrzeuge mit Rußfiltern auszurüsten.
In Hamburg messen 13 Stationen die Feinstaub-Konzentrationen in der Luft. Der Grenzwert liegt laut EU-Richtlinie bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Er darf höchstens an 35 Tagen im Jahr überschritten werden. In der Hansestadt liegt die Meßstation Habichtstraße mit bereits 14 Überschreitungen in diesem Jahr vorn. Dies war lange nicht klar, denn bis vor fünf Wochen wurden die Feinstaub-Werte dieser Station überhaupt nicht registriert.
"Eigentlich werden alle Daten automatisch stündlich an das Umweltbundesamt in Berlin geschickt", erläuterte Volker Dumann die Panne. Sollen auch die Feinstaub-Werte dabeisein, muß dies am Computer extra eingestellt werden. Bei der Station Habichtstraße hatte man das schlicht vergessen - fast ein Jahr lang.
Dumann rechnet nicht damit, daß die Grenzwerte zu oft überschritten werden. "Die kritischen Tage in Bezug auf Feinstaub sind Silvester und Ostern, wegen Feuerwerk und Osterfeuer. Die liegen hinter uns." Bis August sei die Stadt auf Grund der Wetterlage im Grunde staubfrei, erst im November und Dezember gehe der Wert durch das Heizen wieder etwas hoch.
Sollte der Wert von 35 Tagen doch überschritten werden, droht der Stadt dennoch kein Fahrverbot. "Das kommt für uns nicht in Frage. Das ist schädlich für den Handel", sagte Klaus-Peter Hesse, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, dem Abendblatt. Seine Fraktion setzt auf die Einführung von Dieselruß-Partikelfiltern. Die fordert auch Monika Schaal, die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Sie verlangt außerdem eine steuerliche Förderung der Filter in Höhe von 250 Euro, wie es die Bundesregierung vorgeschlagen hat. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte, die Bundesregierung setze nicht auf Fahrverbote, sondern auf "langfristige und nachhaltige Lösungen".
Die Autoindustrie geht bei der angestrebten Filter-Nachrüstung von Dieselfahrzeugen mit unterschiedlichem Tempo vor. Mercedes wird ab Sommer alle Diesel-Neuwagen serienmäßig mit Filtern ausstatten, sagte Unternehmens-Sprecher Norbert Giesen dem Abendblatt. Audi will bis Ende des Jahres alle Dieselmodelle mit Filter anbieten. Auch bei VW arbeitet man an einer ähnlichen Lösung, allerdings bereitet die Nachrüstung der älteren Fahrzeuge Probleme. BMW ist erst in zwei Jahren soweit - beim neuen 3er gibt es den Filter gegen 580 Euro Aufpreis.



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