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Deutschland

Billiglöhne - ein Leben an der Armutsgrenze

Kommentar

In Deutschland sind nicht nur mehr als vier Millionen Menschen arbeitslos. In ähnlicher Größenordnung sind Arbeitnehmer zu Löhnen beschäftigt, die ihnen allenfalls ein Leben an der Armutsgrenze ermöglichen. Das mag mancher mit Verweis auf die harten Gesetze des Marktes achselzuckend hinnehmen. Doch wer so reagiert, handelt nicht klug. Denn er ignoriert sozialen Sprengstoff, der über kurz oder lang den gesellschaftlichen Frieden im Lande erheblich gefährden könnte.

Der Großteil der Deutschen lebt nach wie vor noch immer in beträchtlichem Wohlstand. Doch seit Jahren wächst - oft versteckt und zu wenig beachtet - der Anteil der Bevölkerung, der nicht mehr Schritt halten kann. Die Kluft zwischen oben und unten, der Graben zwischen gut situierten und ärmeren Schichten wird größer und breiter. Längst ist auch hinter den über Jahrzehnte hinweg vermeintlich gültigen Spruch, wer leistungsbereit und fleißig sei, der habe alle Chancen, ein Fragezeichen zu setzen.

Seit Jahren wird gestritten, ob man zur Linderung der Misere auf dem Arbeitsmarkt Mindestlöhne festlegen oder einen staatlich geförderten Niedriglohnsektor schaffen sollte. Doch die Debatte dreht sich - wie Debatten in Deutschland so häufig - frucht- und folgenlos im Kreis. Zynisch genug - stehen doch offenbar immer mehr Menschen vor der Wahl: entweder arm ohne Arbeit oder arm mit Arbeit.

Darauf könnte es aber hinauslaufen, wenn die Deutschen nicht die riesigen Chancen nutzen, die für sie in der Globalisierung stecken und auch in der EU-Osterweiterung. Die Gelegenheiten könnten verpasst werden, wenn sich die Deutschen Reformen auch künftig nur im Schneckentempo zutrauen. Noch immer glauben zu viele Bürger im Land, im Schongang ließen sich Besitzstände verteidigen. In Wirklichkeit werden sie so verspielt und die Armutsrisiken erhöht.

 

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