Dienstag, 14. Februar 2012, 17:29

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Deutschland

Pleitewelle bei den Ich-AGs

Aufgabe: Immer mehr Existenzgründer scheitern. Allein in diesem Jahr fielen bereits neun Prozent aus der staatlichen Förderung.

Hamburg. Bei den staatlich geförderten Ich-AGs haben sich seit Jahresbeginn 8500 Existenzgründer vorzeitig aus der Förderung verabschiedet. "Damit stieg die Abgangsquote von drei Prozent im gesamten Jahr 2003 auf jetzt neun Prozent", sagte Ulrich Waschki, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg, dem Abendblatt.

Insgesamt fielen 12 000 von den bislang 127 000 geförderten Gründern von Kleinstunternehmen seit Einführung der Ich-AGs aus der Förderung.

Die Prognosen für die kommenden Monate sind weiterhin düster. Arbeitsmarktexperte Rainer Schmidt vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel sieht eine Pleitewelle auf die Ich-AGs zurollen: "Ich erwarte, dass es in diesem Jahr noch deutlich mehr Pleiten gibt, sobald die Fördersummen abnehmen", so Schmidt. Das Fördermodell der Ich-AGs sieht im ersten Jahr eine monatliche Hilfe von 600 Euro vor, im zweiten Jahr nur noch 360 Euro und im dritten Jahr 240 Euro.

Barbara Ahrons, Vorsitzende der Hamburger Mittelstandsvereinigung der CDU, hält eine solche Förderung für falsch. "Hier werden Menschen in die Selbstständigkeit reingeschoben, die dafür überhaupt nicht geeignet sind", sagte sie dem Abendblatt. "Ich befürchte, dass viele scheitern werden und dann noch enttäuschter sind als vorher."

Handelskammerpräsident Peter Becker sieht die Ich-AG bestenfalls als "Startmodell für die Selbstständigkeit". Er befürchtet jedoch, dass die meisten ohne das kaufmännische Fachwissen langfristig nicht überleben werden.

Arbeitsagentursprecher Knut Böhrnsen weist solche Vorwürfe zurück. "Wir lassen die Arbeitslosen nicht ins offene Messer laufen, sondern erklären ihnen vorher, worauf es bei einer Existenzgründung ankommt." Hamburg sei mit 2044 Ich-AG-Gründungen im Jahr 2003 Spitzenreiter in Deutschland. " Ich bin zuversichtlich, dass 90 Prozent der Unternehmen in diesem Jahr auf dem Markt bestehen werden", so Böhrnsen. Wer aus der Förderung rausfalle, müsse nicht unbedingt gescheitert sein. Auch bei einem Erfolg ende die staatliche Förderung. Dies sei bei Einkünften von über 25 000 Euro pro Jahr der Fall.

Sorge macht außerdem die Bilanz der vor einem Jahr eingeführten Minijobs. Die von der Bundesknappschaft behauptete Anzahl von einer Million neu geschaffener Arbeitsplätze seit der Neuregelung konnte die Statistik der Bundesagentur für Arbeit nicht belegen.hk/afp

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus