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Deutschland

Gute Wahl nach viel Gewürge

Kommentar

Das Gewürge ist vorüber. Ein Kandidat ist gefunden. Der nächste Bundespräsident wird also Horst Köhler heißen. Zwar war der Mann, den CDU, CSU und FDP am 23. Mai zum nächsten Staatsoberhaupt wählen wollen, bis dato vermutlich nur einer kleinen Minderheit im Lande ein Begriff. Doch Köhlers niedriger Bekanntheitsgrad spricht nicht gegen seine Nominierung durch die drei bürgerlichen Oppositionsparteien. In der Mediengesellschaft wird es binnen weniger Wochen jedem möglich sein, sich ein ziemlich gutes Bild vom bisherigen Chef des Internationalen Währungsfonds zu machen.

Der weltläufige Köhler genießt in der Fachwelt international einen glänzenden Ruf, ist mit dem politischen Parkett vertraut, und menschliche Qualitäten werden ihm ebenfalls nachgerühmt. Der Mann ist keine zweite Wahl, sondern erstklassig. Es spricht viel dafür, dass er das Präsidentenamt sehr gut ausfüllen kann, mindestens so gut jedenfalls wie alle anderen zunächst ebenfalls gehandelten Personen auch.

Der politische Prozess, der am Ende zu Köhlers Nominierung führte, verlief ohne Zweifel nicht in jeder Phase appetitlich. Und der Umgang mit dem ursprünglichen Unionsfavoriten Wolfgang Schäuble war dabei nicht immer fair. Aber so zu tun, als hätte gleichsam eine moralische Pflicht bestanden, Schäuble dieses höchste Amt im Staate zu geben, ist nicht redlich. Und es fällt auch auf, dass manche, die jetzt beim Namen Schäuble "Hosianna" rufen, zu Zeiten der Spendenaffäre vor gar nicht langer Zeit noch lautstark "Kreuzige ihn" riefen.

Der Badener hätte das Amt sicherlich gut ausfüllen können. Aber ein Wolfgang Gerhardt von der FDP hat das Format für dieses Amt ebenfalls. Und der von Rot-Grün gestern recht beiläufig nominierten Professorin Gesine Schwan ist die Qualifikation auch nicht abzusprechen. Aber wer in der Demokratie ein Wahlamt anstrebt, benötigt neben Können eben auch eine Mehrheit. Und mit ihr kann nach Lage der Dinge nur Köhler rechnen.

Die Kandidatensuche war stillos und ein Armutszeugnis für Union und FDP. Doch es ist Illusion zu glauben, eine Direktwahl des Bundespräsidenten durch das Volk würde einen feineren Verlauf und das beste Ergebnis garantieren. Wir hätten bloß alle fünf Jahre einen Wahlkampf zusätzlich. Und wie stilvoll in Deutschland Wahlkämpfe verlaufen, bedarf keiner näheren Erläuterung. Nicht das Auswahlverfahren ist also das Problem, sondern seine Handhabung durch die Parteien. Die bedarf in der Tat einer deutlichen Verbesserung.

 

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