Gesine Schwan - die Kandidatin der Regierung
Berlin. In Akademikerkreisen ist Gesine Schwan gut bekannt: Die 60 Jahre alte Politikwissenschaftlerin, die Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gestern überraschend für die Präsidenten-Wahl in ein wohl aussichtsloses Rennen schickte, hat sich im Raum Berlin nicht erst einen Namen gemacht, seit sie 1999 Präsidentin der Viadrina-Universität in Frankfurt/Oder wurde. Der Anruf des Kanzlers erreichte sie Mittwochabend in den USA, wo sie mit der Harvard-Universität in Cambridge über wissenschafliche Kooperationen verhandelte.
Die am 22. Mai 1943 in Berlin geborene Tochter eines Oberschulrates wuchs in einem sozial engagierten Elternhaus auf. Ihre wissenschaftliche Karriere führte sie an die Freie Universität Berlin (FU), wo sie 1977 zur Professorin für Politikwissenschaft berufen wurde. Schwans Plädoyer für eine stärkere Abgrenzung von den kommunistischen Gesellschaftssystemen brachte ihr Ärger mit der SPD, in die sie 1972 eingetreten war, ein. Hart ging sie mit der Entspannungspolitik ihrer Partei ins Gericht und befürwortete den NATO-Doppelbeschluss. Deswegen wurde sie aus der Grundwertekommission der SPD abgewählt - ein bis dahin einmaliger Vorgang bei der SPD.
Im Oktober 1999 übernahm sie dann die Leitung der Frankfurter Viadrina: Ein Drittel der gut 5000 Studenten kommen aus Polen. Konsequent richtet sie die Hochschule als Brücke zwischen Deutschland und Polen aus.
In den USA arbeitete sie oft als Dozentin in Washington, Cambridge und New York. Sie forschte über Demokratie-Theorie, Sozialismustheorie und Fragen des Marxismus. Dazu hat sie viele Arbeiten - zum Teil mit ihrem 1989 gestorbenen Ehemann, dem Politikwissenschaftler Alexander Schwan, publiziert. Die Musik- und Theaterliebhaberin ist Mutter zweier Kinder.



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