29.08.12

Helmut Schmidt hilft Christian Ude

U-Boote im Ammersee - Der Altkanzler und die Seitenhiebe

Die Bayern-SPD erhält im Vorwahlkampf für die Bayernwahl 2013 Hilfe von Altbundeskanzler Helmut Schmidt. Talkshow restlos ausverkauft.

Foto: dpa/DPA
Christian Ude trifft Helmut Schmidt
Altkanzler Helmut Schmidt (l.) in einer Talkshow mit Christian Ude (SPD) am Dienstagabend im Münchner Volkstheater

München. Verkehrte Welten: Während die konservative CSU im beginnenden Vorwahlkampf für die Bayernwahl 2013 mit einer Facebookparty beim Jungvolk zu punkten versuchte und ihren "Horsti" als Hippster präsentierte, setzt die sozialdemokratische Konkurrenz auf die Seriosität der Altvorderen. Gerade erst hatten die Genossen den langjährigen Münchner OB und SPD-Parteivorsitzenden Hans-Jochen Vogel (86) für den Bürgerentscheid zum umstrittenen Ausbau des Münchner Flughafens eingespannt. Ein Projekt, das sich auch Christian Ude, Münchner OB und designierter Herausforderer von CSU-Chef Horst Seehofer auf die Fahnen geschrieben hatte.

Und jetzt Helmut Schmidt. Die "Talkshow" des 93-jährigen Altbundeskanzlers mit Ude am Dienstagabend im Münchner Volkstheater war in Rekordzeit ausverkauft, wie der bayerische SPD-Landeschef Florian Pronold in seiner Grußadresse erwähnte. Was allerdings in diesem Fall wohl nicht Ude, sondern Schmidt geschuldet sei. Schmidt nahm diese und andere Elogen in seinem Rollstuhl gelassen hin und brachte das Publikum mächtig zum Lachen, als er mit seinem Gehstock nach dem Tisch mit den Zigaretten angelte.

Ude gab sich an diesem Abend betont staatsmännisch und beschränkte sich zumeist auf die Rolle des belesenen Stichwortgebers. Und so durfte sich der Ex-Bundeskanzler und amtierende "Zeit"-Herausgeber in seinen gewohnten Rollen präsentieren: Schmidt, der Weltökonom, Schmidt, der Weltstaatsmann, Schmidt, der zupackende Krisenmanager. Trotzdem konnte sich der Altbundeskanzler, sachte angestachelt von Ude, den einen oder anderen Seitenhieb auf die politische Konkurrenz nicht verkneifen.

So sei die von der CSU gern als ihr Verdienst gerühmte bayerische Wirtschaftskraft nicht zuletzt auf die Flucht vieler Großunternehmen wie Siemens, BMW, Allianz oder Münchner Rück aus dem sowjetischen Einflussbereich in den Süden der Republik zurückzuführen. Bis 1988, dozierte Schmidt, habe Bayern im Finanzausgleich zu den Nehmerländern gezählt. Später habe Franz Josef Strauß als Verteidigungsminister dann viele militärische Projekte nach Bayern geholt. Das sei zwar nicht ganz gerecht, aber gut für sein Land gewesen. Strauß sei so eifrig gewesen, dass er zur Not "auch im Ammersee U-Boote gebaut hätte".

Schmidt: Versprechen nach Lehman-Pleite nicht eingelöst

In seinen Ausführungen zur Finanzkrise wurde Schmidt dann wieder ernst. Er klopfte den gierigen "Bankiers" auf die Finger und forderte eine strikte Bankenregulierung. Das Versprechen der Politik nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman-Brothers, die Banken stärker an die Kandare zu nehmen, sei leider nicht eingelöst worden, sagte Schmidt. Mittlerweile habe sich die Finanzbranche in den USA "total erholt" und verfüge über genauso viel Macht wie vor Ausbruch der Weltfinanzkrise im Jahre 2008. Mit einem Patentrezept gegen die "dicken Problemkomplexe" einer Staatsschulden- Banken- und Konjunkturkrise konnte Schmidt nicht aufwarten.

Zu den jüngsten antieuropäischen Ausfällen von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt schwieg der seine unvermeidlichen Mentholzigaretten schmauchende Altbundeskanzler vielsagend. Pronold ließ es sich freilich nicht nehmen, Schmidts seriöse Haltung zu europäischen Fragen als "wohltuende Abwechslung" zum "Europapopulismus der CSU" zu würdigen. Das Publikum applaudierte stehend, als Schmidt nach anderthalbstündiger Gewalttour durch die Weltpolitik wieder von der Bühne gerollt wurde. Ob die wahlkämpfende Bayern-SPD von dem Auftritt profitieren kann, muss sich zeigen. Vogels Einsatz für die dritte Startbahn am Münchner Flughafen hatte die krachende Niederlage der Ausbaubefürworter beim Bürgerentscheid nicht verhindern können.

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