29.08.12

Erneuerbare Energien

Streit mit Rösler: Altmaier bremst Energiewende

Umweltminister kann sich mit Kabinettskollege Rösler nicht über Ausbau von Windkraft und Netzen einigen. Förderkosten verteuern Strom deutlich.

Foto: dapd
Energiegipfel der Bundesregierung
Energiegipfel der Bundesregierung

Berlin. Die Bundesregierung gerät angesichts erwarteter Strompreissteigerungen immer stärker unter Druck. Uneins sind sich vor allem die Minister für Umwelt und Wirtschaft, Peter Altmaier (CDU) und Philipp Rösler (FDP), wie schnell die Koalition den Verbrauchern entgegenkommen muss. Das Thema Stromkosten stand gestern auch auf der Tagesordnung eines Treffens von Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU), Altmaier und Rösler mit Arbeitgebervertretern, Industrie und Gewerkschaften.

Nach dem Gespräch räumte Altmaier ein, dass trotz steigender Strompreise das milliardenschwere Fördersystem für erneuerbare Energien nicht schnell reformiert werden könne. Es sei falsch, jetzt mit Vorschlägen vorzupreschen, die dann keine Mehrheit finden, sagte Altmaier. Die Förderkosten für Solar- und Windenergie müssen die Bürger über den Strompreis zahlen. 2013 droht wegen des raschen Ausbaus ein satter Anstieg, daher will Altmaier das Tempo etwas drosseln.

Rösler forderte hingegen eine zügige Reform - und zwar noch vor der Bundestagswahl 2013. "Wir wollen den Ausbau der erneuerbaren Energien", betonte Rösler, forderte aber geringere Kosten und mehr Wettbewerb. Altmaier sagte, er wolle zunächst Vorschläge der Regierungsparteien und der Länder abwarten.

Solch ein Gesetz müsse aus Gründen der Planungssicherheit über mehrere Jahre Bestand haben. Generell müsse aber der Ausbau von Wind- und Solarparks stärker auf den Ausbau der Netze abgestimmt werden. Mit Arbeitgebern und Gewerkschaften sei man sich einig, dass man die Energiewende wolle, aber zu vernünftigen Preisen. SPD und Grüne warfen der Regierung vor, den Ausbau erneuerbarer Energien auszubremsen und die Energiewende-Kosten einseitig zulasten der Bürger zu verteilen.

Altmaier strebt als ersten Schritt zu mehr Kosteneffizienz einen Konsens mit den Ländern beim Ausbau erneuerbarer Energien an. Er mahnt eine Drosselung an, da allein die Planungen für Windparks rund 60 Prozent über dem errechneten Bedarf lägen. Würden die Anlagen alle gebaut, drohen Mehrkosten in Milliardenhöhe für Anlagen, die vielleicht gar nicht benötigt werden.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber, griff Umweltminister Altmaier scharf an: "Es ist vollkommen inakzeptabel, den Ausbau bei den erneuerbaren Energien abzubremsen." Kelber sagte, es sei "kein Zufall", dass das Ausbautempo auch bei Energiekonzernen wie RWE und Vattenfall auf Bedenken stoße. "Ein abgebremster Ausbau wäre nur ein später Sieg für Großunternehmen, die jahrzehntelang nicht in die Erneuerbaren investiert haben. Sie sind die schlechtesten Ratgeber in der Debatte", sagte der SPD-Umweltexperte.

Die Regierung hatte sich vorgenommen, bis 2020 rund 35 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Momentan liegt der Anteil mit 25 Prozent über Plan. Bis 2020 könnte der Ökostromanteil auf 50 Prozent steigen. Dafür fehlen aber bisher in ganz Deutschland Stromnetze.

Die über den Strompreis zu zahlenden Förderkosten könnten für einen Durchschnittshaushalt 2013 von derzeit 125 auf 175 Euro pro Jahr steigen. Einkommensschwachen Haushalten drohen starke Mehrbelastungen, zumal auch der Netzausbau und Milliardenrabatte für energieintensive Unternehmen den Haushaltsstrompreis belasten.

Heute will das Kabinett zudem beschließen, dass Extrakosten für den Anschluss von See-Windparks auf den Strompreis abgewälzt werden können und die Bürger mögliche Schadenersatzzahlungen mittragen. Insgesamt machen Steuern, die Ökoenergie-Umlage und andere Abgaben bereits 45 Prozent des Strompreises aus. Weichenstellungen bei der Kostenfrage werden von dem im September tagenden Steuerungskreis erneuerbare Energien von Bund und Ländern erwartet. Zudem soll es mit Blick auf die steigende Ökostrom-Umlage, die am 15. Oktober bekannt gegeben wird, einen runden Tisch geben.

Rösler kündigte an, dass die FDP noch im Herbst einen Vorschlag für eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vorlegen wolle, das den Ökostromausbau mit auf 20 Jahre garantierten Vergütungen fördert. Die gezahlten und noch zu zahlenden Kosten dürften sich auf über 150 Milliarden Euro belaufen. "Das dürfen wir nicht auf die lange Bank schieben, so wie es manche in der Union wollen", sagte Rösler zu "Zeit online".

Der Präsident des Bundesverbandes der Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, warnte davor, Entlastungen für die Industrie zum Sündenbock für hohe Strompreise zu machen. Die Ausnahmen für energieintensive Betriebe bei der Ökostrom-Förderung machten 2,50 Euro pro Haushalt und Monat aus. Das sei ein guter Beitrag für der Erhalt von Arbeitsplätzen, sagte Keitel, der auch an dem Treffen teilnahm.

Der ostdeutsche Wohlfahrtverband Volkssolidarität forderte für Einkommensschwache Sozialtarife beim Strom und eine Abwrackprämie für alte Waschmaschinen und Kühlschränke, um so mehr Energie zu sparen.

Die Koalition ist gezwungen zu handeln. Denn möglicherweise werden sich die Wähler im kommenden Jahr auch an die Worte Angela Merkels vom 9. Juni 2011 erinnern: "Die EEG-Umlage soll nicht über ihre heutige Größenordnung hinaus steigen. Heute liegt sie bei etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde", sagte die Kanzlerin damals.

Im Herbst wird sie sich wohl korrigieren müssen. Denn die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Umlage zur Förderung von Wind- und Solarstrom wird voraussichtlich von 3,59 auf rund 5 Cent steigen.

Die Linkspartei forderte derweil einen "Energiebonus" für alle Haushalte. Dabei soll jede Person pro Jahr und pro Kopf im Durchschnitt 1000 Kilowattstunden kostenlos bekommen. Ein höherer Verbrauch solle dafür viel stärker als bisher versteuert werden.

(HA)
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Frank Heinemann war zwischen 1996 und 2012 Co-Trainer, Interimscoach und Jugendkoordinator beim VfL Bochum
14:20Fußball-Bundesliga
Heinemann verlässt den HSV in Richtung Bochum

Der Co-Trainer trifft beim VfL Bochum auf seinen alten Freund Peter Neururer, der kürzlich einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat. mehr...


Das Olympiastadion in Berlin, Austragungsort des Champions-League-Finals 2015
16:08Champions League
Zum achten Mal in Deutschland: Endspiel 2015 in Berlin

"Für die Hauptstadt ist das Endspiel dieses wichtigsten europäischen Vereinswettbewerbs ein weiteres großes Sportereignis von internationaler Bedeutung", sagte Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit. mehr...


Viele Touristen besuchen bei strahlendem Sonnenschein den Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin. In einer BBC-Studie schlug Deutschland Japan als Spitzenreiter aus dem Rennen um das beliebteste Land der Welt
15:02Gesellschaft
BBC-Umfrage: Deutschland beliebtestes Land der Welt

In Krisenzeiten ist es überraschend. Eine Umfrage sieht Deutschland als Spitzenreiter, was den positiven Einfluss in der Welt angeht. Das hängt wohl auch mit einem neuen Image zusammen. mehr...


Auch die legendären Kreidefelsen auf der Insel Rügen sind Teil dieser aus der Vogelperspektive gedrehten Dokumentation
14:11Filmstart 23. Mai
"Die Ostsee von oben": Von Flensburg bis Usedom

Die Dokumentation "Die Ostsee von oben", der zweite Film von Silke Schranz und Christian Wüstenberg nach "Die Nordsee von oben", punktet mit schönen Bildern und interessanten Anekdoten. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
London
Islamisten töten britischen Soldaten

In London ist ein britischer Soldat bei einem Anschlag getötet worden. Die Täter riefen Medien zufolge "Gott ist groß" und verletzten ihr…mehr »

Top Bildergalerien mehr
Neu im Kino

Die Filmstarts am 23. Mai

Offiziell eingeweiht

Bildungszentrum in Wilhelmsburg eröffnet

Hamburg

Starkregen verursacht zahlreiche Schäden

USA

Monster-Tornado in Oklahoma

Hamburg Guide mehr
Weitere Dienste alle Dienste
Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr