14.08.12

Energiewende

Textilbranche will gegen Ökoenergie-Umlage klagen

Deutsche Textilhersteller wollen die über den Strompreis zu zahlende Ökostrom-Förderung boykottieren und durch Klagen kippen.

Foto: dpa/DPA
Textilbranche will Ökoenergie-Umlage kippen
Eine Solaranlage in der Eifel. Sollten die Textilfirmen mit ihrer Klage Erfolg haben, könnte das derzeitige System zur Finanzierung des Ausbaus von Solar- und Windenergie vor dem Aus stehen (Archivbild)

Berlin. Die Förderung erneuerbarer Energien ist eine Säule der Energiewende. Doch die milliardenschweren Zuschläge erregen zunehmend Widerstand, auch seitens der EU. Die Textilbranche will die über den Strompreis zu zahlende Ökostrom-Förderung boykottieren und per Klagen kippen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) hat die Förderung erneuerbare Energien als mitverantwortlich für die hohen Strompreise in Deutschland kritisiert. In der "Bild"-Zeitung (Dienstag) sprach sich Oettinger daher für eine Deckelung der Umlage für erneuerbare Energien aus, die einen Durchschnittshaushalt pro Jahr etwa 125 Euro kostet. "Sonst laufen die Kosten für Verbraucher und Wirtschaft aus dem Ruder", betonte Oettinger. Die deutschen Textilhersteller sehen unterdessen gute Chancen, die milliardenschwere Förderung juristisch zu kippen.

Oettinger sagte, Deutschland habe vor allem wegen der hohen Steuern und der Abgabe für erneuerbare Energien die zweithöchsten Strompreise in Europa. "Das kann so nicht weitergehen, weil wir damit die Verbraucher überfordern und die Wirtschaft schädigen."

+++ Schlechte Aussichten für die Energiewende +++

Wenn im Herbst die neue Höhe der Umlage für die erneuerbaren Energien festgelegt werde, müsse "noch einmal über eine Deckelung" geredet werden, forderte der EU-Kommissar. Der Ausbau der Solar- und Windenergie müsse an den Ausbau von Leitungsnetzen und Speicherkraftwerken gekoppelt werden, es mache keinen Sinn unbegrenzt neue Wind- und Solarparks zu bauen, wenn die Netze hierfür fehlen.

Am Dienstagmittag wollte die Textilbranche in Berlin Details ihrer Maßnahmen vorstellen, mit denen sie sich gegen die auf den Strompreis aufgeschlagene Zahlung zur Wehr setzt. Sollten die Firmen Erfolg haben, könnte das derzeitige System zur Finanzierung des Ausbaus von Solar- und Windenergie vor dem Aus stehen.

"Die hohen Energiekosten belasten gerade kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland", betonte der Gesamtverband der Textil- und Modeindustrie. Die Branche beruft sich auf ein Gutachten des Verfassungsrechtlers Gerrit Manssen, der die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgesetzte Umlage als unzulässige Subvention und damit als verfassungswidrig einstuft.

Allein 2011 flossen 16,4 Milliarden Euro an EEG-Umlage an die Betreiber von Wind- und Solarparks, Biogasanlagen und Wasserkraftwerken. Unter anderem wegen des rasanten Ausbaus der erneuerbaren Energien könnte die Umlage im kommenden Jahr deutlich von derzeit 3,5 Cent auf rund 5 Cent je Kilowattstunden steigen.

Damit dürften auch die Strompreise weiter zulegen. Die FDP dringt auf eine Neuregelung zur Förderung erneuerbarer Energien, da das jetzige System nicht mehr finanzierbar sei. Die Textilbranche beziffert ihre Belastungen durch die Ökoenergie-Umlage auf zuletzt jährlich rund 70 Millionen Euro.

+++ Hintergrund: Die milliardenschwere Ökoenergie-Förderung +++

In der mittelständischen Textilindustrie waren zuletzt nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums etwa 53 000 Menschen in rund 400 Betrieben tätig. Während energieintensive Unternehmen von der Ökostrom-Subventionierung weitgehend befreit sind, muss die Mehrzahl der Textilfirmen die volle Umlage zahlen.

Manssen vergleicht die Zwangsabgabe mit dem 1994 vom Karlsruher Bundesverfassungsgericht zu Fall gebrachten Kohlepfennig. Die Stromverbraucher hätten keine besondere Finanzierungsverantwortung für die Förderung der Steinkohle, hieß es damals.

mit Material von dpa

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

HSV-Sportdirektor Frank Arnesen hat derzeit reichlich Gegenwind
20.05.13HSV
"Lauter Fallobst": Scharfe Kritik an Sportchef Arnesen

Nach Netzer schießen jetzt auch Schnoor und Hartwig gegen den Dänen. Arnesen habe "die falschen Spieler verpflichtet". Auch Son sei "nicht der große Spieler, zu dem er immer gemacht wird". mehr...


Victorias Marcus Rabenhorst stemmt im heimischen Stadion den Pokal in die Luft
20.05.13Oddset-Pokal
SC Victoria holt den Pokal und löst DFB-Pokal-Ticket

Durch ein 2:1 nach Verlängerung gegen den Oberliga-Meister FC Elmshorn hat sich der SC Victoria erneut den Titel im Hamburger Oddset-Pokal gesichert. Damit qualifiziert sich die Mannschaft von Trainer… mehr...


Am Sonntag kamen mehr als 20.000 Besucher zur IGS. Die Veranstalter hatten sich noch mehr erhofft.
20.05.13IGS in Wilhelmsburg
Pfingst-Regen kostet Gartenschau Besucher

Das lange Pfingst-Wochenende sollte der Durchbruch der Internationalen Gartenschau werden. Doch die Feiertage waren in Hamburg kühl, zeitweise regnete es sogar kräftig. Die Veranstalter wollen jetzt… mehr...


Russlands Präsident Wladimir Putin
20.05.13Wirtschaftsreformen
Russlands verzweifelter Kampf um neues Wachstum

Selten zuvor war der Reformdruck in Russland so hoch. Das ölgestützte Wirtschaftsmodell hat ausgedient, doch ein neues ist noch nicht in Sicht. Unter der Elite in Moskau macht sich Panik breit. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Block House zeigt:
Matz ab nach dem 0:1 gegen Leverkusen

Nach der Bundesliga-Partie gegen Bayer Leverkusen diskutierten Dieter Matz und Marcus Scholz mit den Ex-Profis Harry Bähre und Klaus Fock…mehr »

Top Bildergalerien mehr
Rothenburgsort

Reh vor dem Ertrinken gerettet

Tornados wüten in vier US-Staaten

Die ESC-Party auf der Reeperbahn

2. Liga

Die Bilder zu Lautern - St. Pauli

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr