13.08.12

Bundestagswahl 2013

Jürgen Trittin will Spitzenkandidat der Grünen werden

Fraktionschef würde sich der Urwahl stellen. Hamburger Landeschefin Fegebank bringt Dreier-Gespann mit Roth und Göring-Eckardt ins Gespräch.

Foto: dpa/DPA
Liebäugelt mit dem Finanzministerium: Jürgen Trittin (Grüne)
Liebäugelt mit dem Finanzministerium: Jürgen Trittin (Grüne)

Hamburg/Berlin. Auf sechs Seiten hat Jürgen Trittin seine Kandidatur in einem parteiinternen Schreiben an Länder- und Parteirat sowie Bundesvorstand begründet. Und mit einem Interview im "Spiegel" ging der Fraktionsvorsitzende nun als zweiter Spitzenpolitiker der Grünen in die Offensive und kündigte auch öffentlich an, bei der Bundestagswahl im Herbst 2013 als Spitzenkandidat ins Rennen zu gehen. Vor Trittin hatte bereits Parteichefin Claudia Roth ihren Anspruch bekannt gegeben.

"Ich trete an und möchte einer der beiden Spitzenkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen sein", sagte Trittin dem "Spiegel". Er verband sein Antreten mit einer Absage an ein schwarz-grünes Bündnis: "Ich stehe für einen Wahlkampf, der darauf abzielt, die CDU/CSU und die FDP vollständig abzulösen."

Die Landeschefin der Hamburger Grünen, Katharina Fegebank, begrüßte die Entscheidung Trittins und nannte den Fraktionschef den "profiliertesten Politiker" der Partei. Gleichzeitig formulierte Fegebank klare Erwartungen an eine Kandidatur. "Ich erwarte von Trittin, dass er bei den wichtigen Themen wie Energiewende, Euro-Krise und Verteilungsgerechtigkeit verlorenes Vertrauen der Grünen zurückgewinnt", sagte Fegebank dem Abendblatt. Deutschland brauche eine Vermögensabgabe und einen höheren Spitzensteuersatz. Trittin sei der Richtige, um diese Ziele durchzusetzen.

Auch Aussagen zu möglichen Koalitionspartnern machte Trittin in dem Interview. Eine weitere Regierungsoption neben einer rot-grünen Koalition sieht er für die Grünen nicht. Für ein Bündnis mit der Union gebe es keine Basis wegen der Uneinigkeit der Unionsparteien in der Europapolitik. Die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel habe keine Kontrolle über die CSU in Bayern, die vollends zu einer anti-europäischen Regionalpartei verkümmere. "Im September 2013 gibt es entweder eine eigene Mehrheit von SPD und Grünen, oder es gibt eine Rückkehr zur Großen Koalition", sagte Trittin voraus. Eine rot-grüne Minderheitsregierung dürfte ebenso wenig funktionieren wie eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP.

In den jüngsten Umfragen sind SPD und Grüne zwar stärker als Schwarz-Gelb, aber noch deutlich von einer eigenen Mehrheit entfernt. 2013 wollen die Grünen voraussichtlich mit einem Spitzenduo aus einer Frau und einem Mann in die Bundestagswahl ziehen. Anfang September soll anhand der dann vorliegenden Bewerbungen entschieden werden, ob die Mitglieder die Kandidaten per Urwahl bestimmen. Wenn sich nur zwei Kandidaten melden, kann auch der Parteitag im November das Duo wählen. Trittin wollte sich in dem Interview nicht dazu äußern, welche der möglichen Mitbewerberin er als Partnerin in der Doppelspitze bevorzugen würde: Gehandelt werden Renate Künast, Claudia Roth und Katrin Göring-Eckardt. "Mit allen Frauen, über deren Kandidatur bisher spekuliert wird, kann ich gut zusammenarbeiten", sagte der Fraktionschef.

Die Hamburger Grünen-Chefin Fegebank brachte erneut die Möglichkeit einer Dreierspitze der Grünen im Wahlkampf 2013 ins Gespräch. "Dabei habe ich große Sympathien für Katrin Göring-Eckardt als Dritte in einer Dreierkonstellation", sagte Fegebank dem Abendblatt. Göring-Eckardt wirke mit ihrer Politik über die Stammklientel der Grünen bis weit in bürgerliche Kreise hinein.

(cu)
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