02.08.12

Regensburg

Organspende-Skandal: Spender ziehen sich zurück

Nach Verdachtsfällen in Göttingen werden 23 weitere Fälle in Regensburg bekannt. Jetzt ermittelt auch bayerische Staatsanwaltsschaft.

Foto: dpa/DPA
Der Organspende-Skandal in Regensburg und Göttingen verunsichert viele potenzielle Spender
Der Organspende-Skandal in Regensburg und Göttingen verunsichert viele potenzielle Spender

Regensburg/Göttingen/Düsseldorf. Viele hatten es befürchtet, jetzt wird es Realität: Der mutmaßliche Organspende-Skandal an den Uni-Kliniken Göttingen und Regensburg führt zu einem Rückgang der Spendebereitschaft in Deutschland. Ulrike Wirges, geschäftsführende Ärztin bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), berichtete der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe) von mehreren konkreten Fällen, in denen die Angehörigen von potenziellen Organspendern die Entnahme von Organen bei den Verstorbenen unter indirektem oder direktem Verweis auf die Vorgänge an der Uni Göttingen verweigert hätten.

"Wir müssen befürchten, dass die aktuelle Verunsicherung rund um das Thema Organspende einen messbaren Negeativ-Einfluss auf die Organspendebereitschaft in Deutschland hat", sagte Wirges. "Darunter müssen Tausende von Patienten leiden, deren Leben von einem Spenderorgan abhängt."

+++Organspende-Skandal: Staatsanwaltschaft ermittelt+++

Im Organspende-Skandal im Regensburger Universitätsklinikum ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Das Klinikum habe Strafanzeige gegen einen nicht namentlich genannten Oberarzt gestellt, sagte Behördensprecher Wolfhard Meindl am Donnerstag. Demnach hätten hausinterne Überprüfungen Hinweise auf Manipulationen bei Lebertransplantationen ergeben.

"Wir haben das Klinikum aufgefordert, uns eine deutlich detailliertere Auflistung der aufgeführten Vorwürfe zu geben", sagte Meindl. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums besteht der Verdacht, dass in dem Regensburger Klinikum in den Jahren 2004 bis 2006 in 23 Fällen die Krankendaten bei Lebertransplantationen manipuliert wurden. Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) wollte sich am Donnerstag in München von der Klinikleitung über die Vorfälle informieren lassen.

+++ Organhandel: Bahr fordert lückenlose Aufklärung +++

+++ Entsetzen über Skandal um Spenderorgane +++

Der Fall war ins Rollen gekommen, nachdem ein Oberarzt im Göttinger Uni-Klinikum in den Jahren 2010 und 2011 die Daten von Patienten, die auf der Warteliste für Spenderorgane stehen, manipuliert haben soll. Dieser Mediziner hatte zuvor von 2003 bis 2008 am Regensburger Klinikum gearbeitet und war dort ebenfalls für Transplantationen zuständig gewesen.

Das Klinikum nehme seine Verantwortung für die schnellstmögliche umfassende Aufklärung sehr ernst und arbeite eng mit den zuständigen Behörden zusammen, teilte die Klinik mit. Die Klinik habe sofort nach der internen Prüfung das Ministerium, die Bundesärztekammer, Eurotransplant sowie die Staatsanwaltschaft informiert.

Die Vizevorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Kathrin Vogler (Linke), fordert eine "schonungslose Überprüfung" sämtlicher Regelungen zur Organspende. Mit Blick auf die Skandale in Göttingen und Regensburg erklärte Vogler am Donnerstag in Berlin, das Ausmaß an Lug und Trug sei erschreckend. Die Bevölkerung habe einen Anspruch auf Korrektheit, Gerechtigkeit und Transparenz. Der Bundestag müsse sich umgehend erneut mit dem Transplantationsgesetz befassen, forderte Vogler.

(dpa/abendblatt.de)

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