29.07.12

Spionage

Anklage gegen mutmaßlichen syrischen Spion

Angeblich wollte der Syrer Akram O. deutsche Behörden infiltrieren. Neben ihm verfolgen die Behörden weitere vier mutmaßliche Agenten.

Foto: picture alliance / dpa/dpa
Mutmasslicher Terrorist am BGH vorgeführt
Gegen einen mumaßlichen syrischer Spion hat die Bundesanwaltschaft Karlsruhe Anklage erhoben (Symbolfoto)

Berlin/Karlsruhe. Gegen einen der im Februar in Berlin festgenommenen mutmaßlichen Spione des syrischen Geheimdienstes hat die Bundesanwaltschaft Anklage erhoben. Es handele sich um den 35-jährigen Akram O. aus Berlin, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Sonntag. Ihm werde geheimdienstliche Agententätigkeit in 35 Fällen vorgeworfen. O. war bis zu seiner Verhaftung im Februar als Zivilangestellter in der syrischen Botschaft in Berlin tätig.

Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte am Sonntag in Karlsruhe auf dapd-Anfrage, dass Anklage gegen einen mutmaßlichen syrischen Spion erhoben wurde. Sie wollte jedoch keine weiteren Einzelheiten bekanntgeben. Zunächst müsse der Nachweis erbracht sein, dass dem Angeklagten und der Verteidigung die Anklageschrift zugestellt worden sei, sagte sie.

+++Spione sollen syrische Oppositionelle ausgespäht haben+++

Dem "Spiegel" zufolge soll der Mann seinen Führungsoffizier seit dem Jahr 2008 regelmäßig mit Informationen aus Deutschland versorgt haben. Laut Anklage habe O. vorwiegend syrische Oppositionelle in der Bundesrepublik ausspioniert, aber auch Details über Parteien und politische Stiftungen geliefert, berichtete das Magazin.

So habe er mit Komplizen bei einer Veranstaltung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zum Syrien-Konflikt im November 2011 heimlich Bild- und Tonaufnahmen gemacht und persönlich nach Damaskus transportiert. Zudem habe O. Informationen über einen oppositionellen syrischen Arzt aus Berlin weitergegeben, dessen Angehörige später in Syrien vom Geheimdienst vernommen worden seien.

Offenbar habe O. auch versucht, deutsche Sicherheitsbehörden zu infiltrieren: Ende 2010 habe er sich beim Bundesverwaltungsamt als Jurist beworben und als bevorzugte Arbeitsstelle das für Spionageabwehr zuständige Bundesamt für Verfassungsschutz angegeben. Seine Bewerbung sei jedoch abgelehnt worden. Auf "Spiegel"-Anfrage erklärten die Anwälte von Akram O., ihr Mandant habe ihnen gegenüber die Vorwürfe bestritten und von Missverständnissen gesprochen.

Laut Nachrichtenmagazin gehen die Bundesanwälte davon aus, dass O. Teil eines Agentenrings war, der aus der syrischen Botschaft in Berlin heraus gesteuert wurde. Neben O. verfolgen die Ermittlungsbehörden demnach vier weitere mutmaßliche Agenten.

Im Februar waren in Berlin zwei mutmaßliche syrische Spione verhaftet worden: Akram O. und der 47-jährige Deutsch-Libanese Mahmoud El A. Zudem wurden die Wohnungen von sechs weiteren Personen durchsucht, die beschuldigt wurden, sich an der Ausspähung beteiligt zu haben.

(dapd)

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